Fachkräftemangel in Wiens Gastronomie: Wie die Branche mit gezielten Initiativen gegensteuert

Martin Reischauer

Fachkräftemangel in Wiens Gastronomie: Mit vereinten Kräften gegen die Lücke

Die Warnsignale sind unüberhörbar: Der Fachkräftemangel hat sich in Wiens Gastronomie von einem schwelenden Problem zu einem akuten Engpass entwickelt. Ob in der Küche oder im Service – qualifizierte Mitarbeiter:innen werden händeringend gesucht, und die Zahl unbesetzter Lehrstellen nimmt weiter zu.

Doch die Branche reagiert. Die Fachgruppe Gastronomie Wien und die Wirtschaftskammer Wien (WKW) haben ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, das Ausbildung, Qualifizierung und internationale Rekrutierung strategisch miteinander verzahnt. Der Fokus liegt auf nachhaltigen Lösungen – mit dem Ziel, den Arbeitskräftemarkt nicht nur kurzfristig zu stabilisieren, sondern strukturell zu stärken:


Speed-Dating für Lehrlinge: In zehn Minuten zum passenden Betrieb

Unbürokratisch, direkt und überraschend effektiv: Das Lehrlings-Speed-Dating 2025 bringt Jugendliche und Betriebe im Minutentakt zusammen. Anfang des Jahres nutzten rund 1.000 Jugendliche diese Chance – und trafen auf über 230 Unternehmen, viele davon aus Gastronomie und Hotellerie. In zehnminütigen Gesprächen entstehen erste Kontakte, die nicht selten in einer Lehrstelle münden.

Der Erfolg des Formats spricht für sich: Persönliche Begegnungen senken Einstiegshürden und erhöhen die Chancen auf eine passende Ausbildung – ein Gewinn für beide Seiten.

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Ausbildungsverbünde: Gemeinsam mehr bieten

Ein Betrieb, alle Lehrinhalte? Das ist für viele kleine und mittlere Unternehmen schwer umsetzbar. Hier kommen Ausbildungsverbünde ins Spiel: Mehrere Betriebe tun sich zusammen, um Lehrlingen ein vollwertiges Ausbildungsspektrum zu bieten – von der Patisserie über Frühstücksservice bis zur gehobenen Küche.

Das Modell reduziert den Aufwand für einzelne Betriebe und steigert gleichzeitig die Ausbildungsqualität. Die Koordination übernimmt die WKW gemeinsam mit dem waff und dem AMS – eine Partnerschaft, die Synergien schafft.



Internationale Fachkräfte-Offensive: Grenzen überwinden

Weil der heimische Arbeitsmarkt den Bedarf nicht mehr allein decken kann, blickt die Wirtschaftskammer Österreich über die Landesgrenzen hinaus. In Ländern wie Albanien, Brasilien und den Philippinen werden gezielte Rekrutierungskampagnen und Jobmessen organisiert. Gesucht werden gut ausgebildete, motivierte Fachkräfte, die in Wien neue berufliche Perspektiven finden – und gleichzeitig frischen Wind in die Betriebe bringen.

Diese internationale Offensive ist ein notwendiger Schritt, um den akuten Personalengpässen zu begegnen – und zugleich ein Impulsgeber für mehr Vielfalt und Expertise.
Das Fachkräftezentrum agiert als strategischer Beobachter und flexibler Problemlöser. In enger Kooperation mit dem AMS und dem waff werden branchenspezifische Weiterbildungsangebote entwickelt, um gezielt auf sich abzeichnende Engpässe zu reagieren. Die Stärke liegt im Netzwerk: Wirtschaft, Bildung und Verwaltung arbeiten hier Hand in Hand an zukunftsfähigen Lösungen.

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Ausbildung in der Gastronomie: Vielfältig, praxisnah und zukunftsorientiert
Die Gastronomie bietet nicht nur spannende Berufsperspektiven, sondern auch eine Vielzahl an hochwertigen Ausbildungswegen – von der klassischen Lehre bis hin zur spezialisierten Premiumausbildung. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der modernen Ausrichtung vieler Ausbildungsstätten, etwa dem verstärkten Fokus auf vegetarische und nachhaltige Küche. Gerade hier setzt die Fachgruppe Gastronomie mit gezielten Impulsen und Programmen in der vegetarischen Kulinarik-Lehre wichtige Akzente. Ebenso gewinnt die sogenannte Premiumlehre an Bedeutung – eine vertiefte Ausbildung, die Theorie, Praxis und Spezialisierung auf höchstem Niveau vereint.

Ein Leuchtturmprojekt in Sachen Nachwuchsförderung ist die Gastgewerbefachschule Wien (GAFA) am Judenplatz – als Teil der Wirtschaftskammer Wien bietet sie eine duale Ausbildung mit erfahrenen Ausbildner:innen und attraktiven Zusatzmodulen wie Barista-, Sommelière- oder Patisserie-Kursen. Besonders hervorzuheben ist das Modell der Verbundausbildung: Gerade kleinere Betriebe können oft nicht alle Inhalte einer Lehre abdecken – sei es in der Patisserie, im Frühstücksservice oder im Fine Dining. Hier schließen sich mehrere Betriebe zusammen, um gemeinsam auszubilden. Die Koordination übernimmt die WKW in Zusammenarbeit mit dem “waff” und dem AMS, die Finanzierung wird ebenfalls unterstützt. So entsteht eine praxisnahe, breite und hochwertige Ausbildung, die auch dann funktioniert, wenn einzelne Betriebe an Kapazitätsgrenzen stoßen. Neben der GAFA bieten auch Institutionen wie die Tourismusschule MODUL oder das Berufsschulzentrum für Gastgewerbe (BZW) in Wien exzellente Ausbildungswege für die Branche.
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Positiver Trend: Mehr Lehrlinge, mehr Perspektive

Trotz aller Herausforderungen zeigt die Ausbildungsoffensive Wirkung:

Im Bereich Hotel- und Gastgewerbeassistenz verzeichnete man ein Plus von 5,5 Prozent – aktuell sind 386 Lehrlinge in Ausbildung. Ein klares Zeichen dafür, dass sich Investitionen in Ausbildung lohnen – für die Betriebe, die Branche und den Standort Wien.


Gut ausgebildete Fachkräfte sind für das Gastgewerbe essentiell. Gerade die Gastronomie ist und bleibt ein wesentlicher Teil der Tourismus-DNA einer Stadt, genau deshalb ist es wichtig hier breit zu denken und alle Möglichkeiten auszuloten. Jede Investition in diesem Bereich trägt dazu bei Wiens Ruf als international angesehene Tourismusdestination nachhaltig zu sichern

Mag. Dr. Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Wien der Gastronomie

Ausbildung ist Zukunft

Die Programme der Fachgruppe Wien und der WKW setzen klare Impulse für eine nachhaltige Fachkräftesicherung – mit besonderem Fokus auf Gastronomie . Von innovativen Recruiting-Formaten über Förderprogramme bis hin zu gezielter Ausbildung entsteht ein stabiles Netzwerk, das Betriebe nicht nur unterstützt, sondern stärkt. Wer heute auf Nachwuchs setzt, gestaltet aktiv die Zukunft der Branche – qualifiziert, praxisnah und langfristig erfolgreich.