Geheimtipp – Sind das etwa die besten Teigtaschen der Stadt?

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Teigtaschen Warenyky. Bild: Marko Locatin

Nicht beim Italiener oder Asiaten, Genuss-Autor Marko Locatin war auf Teigtaschen in einem ukrainischen Restaurant, das eingerichtet ist wie ein Wohnzimmer. Das Ergebnis war mehr als verblüffend.

Gegenüber der Rudolfstiftung, sie firmiert jetzt als Klinik Landstraße, gibt es eine Pizzeria (oder zwei), nicht weiter bemerkenswerte orientalisch– bzw. levantinische Küche und das Cafe Dreier, wo man im Gastgarten immerhin ein kühles Bier zischen kann. Das beste Essen aber, verbirgt sich hinter einem schlichten Eingang, Dort nämlich hat ein ukrainischer Radiotechniker ein “Wohnzimmer” (auch) für Landsleute geschaffen. Da Ambiente ist sehr 80-er Jahre, wie manchmal auch die Musik, die immer läuft. Verblüffend aber sind Teigtaschen und Co., die hier aus der Küche kommen.

Schufa, der traditionelle Festtagssalat. Bild: Marko Locatin

Als Vorspeise empfiehlt sich “Borschtsch” oder Pilzsuppe. Keinesfalls missen sollte man den Herzhafen Schichtsalat “Schuba” (“Pelzmantel”) aus Roten Rüben, Erdäpfel, Hering, Zwiebel, Ei und Mayonnaise (8,90 Euro). Eigentliche Stars der Küche sind, neben jenen Damen ebendort, die diese Gerichte wohl im Schlaf zubereiten können, Teigtaschen. Bekannt sind die kleineren Pelmeni, fast immer mit Fleisch gefüllt, werden sie im FM mit Sauerrahm und Dill serviert. Mein Favorit Warenyky (siehe Bild unten) gibt’s mit Pilzen, Erdäpfeln, Innereien und Saisonalem. Am besten den “Mix” bestellen (14,30 Euro). Zart, schlunzig, mit leichtem Biss sind das mit die besten Teigtascherln, die ich je hatte. Inklusive Tortellini in Rom oder Bologna oder Teigtascherln im Baltikum. Auch gut: Krautrouladen und alles was mit Kartoffeln zu tun hat.

Warenyk Mix. Bild: Marko Locatin

Fazit

 Mit seinem “frequenzmoduliertem” Essen FM hat Radio-Enthusiast Iván Váki, er führe lange ein Restaurant in der West-Ukraine, ein Wohnzimmer nicht nur für seine Landsleute geschaffen. Ok, des gibt auch Wiener Schnitzel und Rippchen (mit Tomatensauce), herausragend gelingen jedoch die traditionellen Suppen, Salate und Teigtascherln der Heimat. Die Preise für Speis und Trank sind moderat, 4cl Wodka kosten etwas über 4 Euro. Apropos Heimat: Dass hier neben ukrainischer Literatur (Bulgakov: Der Meister und Mararita!) auch ein Dostojewsky Platz findet, ist ob der politischen Situation absolut keine Selbstverständlichkeit.

Tipp: Fragen Sie nach dem Wodka, der mit steirischem Kren angesetzt wurde und probieren sie das “ukrainische Elitegetränk”,
ein Trunk aus seltenen Beeren. Wer ohne Alkohol bleiben trinkt Kvas, eine Art Brotgetränk.

Das Essen FM

Juchgasse 24
1030 Wien
Di–Sa 11–22, So 11–20
VS: 5,50 – 11 Euro
HS: 11 – 22,90 Euro

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