Sonntags ist Wien leise. Viele Küchen bleiben geschlossen, die Stadt gönnt sich – zu Recht – eine wohlverdiente Pause. Kein Mittagsgeschäft, kein Abendservice, nur Ruhe und Zeit zum Durchatmen. Doch zwischen den vielen geschlossenen Türen finden sich ein paar, hinter denen es trotzdem duftet, brutzelt und geklingelt wird.
Wer am Sonntag nicht selbst kochen will, sondern sich lieber verwöhnen lässt, findet hier jene Adressen, die den siebten Tag nicht verschlafen, sondern zelebrieren – leise, genussvoll und mit dem gewissen Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Pichlmaiers zum Herkner
Dornbacher Straße 122, 1170 Wien

Im 17. Wiener Gemeindebezirk, fernab von kurzlebigen Food-Trends und inszenierter Tellerästhetik, hat sich ein Ort etabliert, der bewusst seinen eigenen Weg geht. Pichlmaiers zum Herkner ist weder klassisches Wirtshaus noch Fine-Dining-Adresse – und genau darin liegt seine Stärke. Hier wird eine Küche gelebt, die handwerkliche Präzision mit spürbarer Leidenschaft verbindet.
Im Mittelpunkt steht der Anspruch, nicht nur gut zu kochen, sondern bleibende Eindrücke zu schaffen. Die Gerichte sind klar gedacht, produktfokussiert und mit dem Ziel komponiert, Geschmack in seiner ganzen Tiefe erlebbar zu machen. Es geht weniger um Effekte als um Substanz – und um Teller, die man nicht so schnell vergisst.
Was das Herkner besonders macht, ist jedoch die Atmosphäre: ein eingespieltes Team, das Professionalität mit echter Herzlichkeit verbindet. Die Begeisterung für das, was hier passiert, ist spürbar – nicht aufgesetzt, sondern gelebter Alltag. Genau das macht den Unterschied.

Sanny & Michi
Schellhammergasse 15, 1160 Wien

Zwischen Markttrubel und Grätzlcharme hat sich am Yppenplatz ein Wirtshaus etabliert, das genau das liefert, was man sich von ehrlicher Wiener Küche wünscht – und vielleicht ein bisschen mehr. Sanny & Michi verbindet klassische Gerichte mit spürbarer Leidenschaft und einer Atmosphäre, die sofort vertraut wirkt.
Hier wird gekocht, wie man es sich vorstellt: bodenständig, regional und mit einem klaren Bekenntnis zu Qualität und Handwerk. Viele Zutaten stammen aus der Umgebung, vieles ist hausgemacht – und genau das schmeckt man auch. Die Küche bleibt dabei bewusst nah an ihren Wurzeln, ohne altbacken zu wirken.
Neben klassischen Wiener Schmankerln finden sich auch vegetarische Gerichte auf der Karte, die zeigen, dass Tradition und Zeitgeist kein Widerspruch sein müssen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Auswahl an Weinen, die unkompliziert begleiten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Was Sanny & Michi besonders macht, ist jedoch der Ton: herzlich, direkt und mit einem guten Schuss Wiener Schmäh. Der Service ist aufmerksam, ohne steif zu sein, und trägt wesentlich dazu bei, dass man sich hier schnell wohlfühlt.

Donnersmarkt Restaurant
Parkring 16, 1010 Vienna

Mitten an der Wiener Ringstraße, im eindrucksvollen Henckel von Donnersmarck Palais, setzt das Donnersmarkt Restaurant auf eine Küche, die Vergangenheit und Gegenwart bewusst miteinander verbindet. Der Rahmen ist klassisch, fast imperial – die kulinarische Handschrift hingegen klar in der Gegenwart verankert.
Im Zentrum steht eine moderne, pflanzenbetonte Ausrichtung, die alpine Produkte neu denkt. Gemüse spielt hier die Hauptrolle: saisonal, regional und mit viel Feingefühl verarbeitet. Fleisch und Fisch treten bewusst in den Hintergrund, fungieren eher als Ergänzung denn als Fokus. Das Ergebnis ist eine Küche, die leicht wirkt, ohne an Tiefe zu verlieren.
Auch gestalterisch zieht sich dieser Gedanke durch den Raum. Natürliche Farbwelten, Anleihen an den benachbarten Stadtpark und ein ruhiger, fast zurückhaltender Zugang schaffen eine Atmosphäre, die sich vom klassischen Ringstraßen-Prunk abhebt. Der Gastgarten ergänzt das Konzept um eine entspannte, grüne Komponente – mitten im urbanen Umfeld.
Das Donnersmarkt versteht sich dabei nicht nur als Restaurant, sondern als Ort, an dem Nachhaltigkeit und Genuss zusammengedacht werden. Die Orientierung an regionalen Produkten und saisonalen Gegebenheiten ist kein Nebenaspekt, sondern Teil des Konzepts.

Westside
Felberstraße 4, 1150 Wien

Direkt bei der Felberstraße, wo sich der Puls der Stadt mit dem Rhythmus des Bahnhofs mischt, setzt das Westside auf ein Konzept, das Vielfalt zum Prinzip macht. Zwischen Graffiti, Industriedesign und urbanem Flair entsteht hier ein Ort, der bewusst mit klassischen Restaurantstrukturen bricht.
Die Idee: mehrere Küchen unter einem Dach. Von Streetfood-inspirierten Gerichten über bodenständige Wiener Klassiker bis hin zu internationalen Einflüssen reicht die kulinarische Bandbreite. Statt klarer Linie gibt es hier bewusst Kontrast – und genau das macht den Reiz aus. Man kann sich durchprobieren, kombinieren, neu entdecken.
Trotz der stilistischen Offenheit bleibt der Anspruch an die Produkte klar definiert. Regionalität spielt eine zentrale Rolle, ebenso wie der bewusste Umgang mit Zutaten. Kurze Lieferwege, sorgfältige Verarbeitung und der Verzicht auf Zusatzstoffe unterstreichen den Versuch, Qualität mit einem lockeren Konzept zu verbinden.
Die Atmosphäre ist entsprechend ungezwungen: jung, lebendig, ein wenig roh. Das Westside versteht sich weniger als klassisches Restaurant, sondern vielmehr als Treffpunkt – für Lunch, Dinner oder einen spontanen Abstecher zwischendurch.

Rainers Wintergarten
Gudrunstraße 184, 1100 Wien

Im 10. Wiener Gemeindebezirk verbindet Rainers Wintergarten eine unkomplizierte, gemütliche Atmosphäre mit einem breiten kulinarischen Angebot. Der Fokus liegt auf einer Küche, die Vielfalt zulässt und dabei bewusst auf Qualität setzt.
Gekocht wird mit regionalen und – wo möglich – biologischen Zutaten. Die Speisekarte orientiert sich an der Saison und bietet neben klassischen Gerichten auch vegetarische und vegane Optionen. Damit spricht das Restaurant ein breites Publikum an, ohne sich auf eine einzige kulinarische Linie festzulegen.
Ergänzt wird das Angebot durch zusammengestellte Menüs, die den Anspruch unterstreichen, aus einzelnen Gerichten ein stimmiges Gesamtbild zu formen. Im Vordergrund steht dabei weniger Inszenierung als ein rundes Geschmackserlebnis.

Magazin
Riemergasse 14, 1010 Wien

In der Riemergasse im 1. Bezirk setzt das Magazin Restaurant & Weinhaus auf eine klare Linie: österreichische Küche in solider, handwerklich sauberer Ausführung – begleitet von einer umfangreichen Auswahl an Weinen.
Die Speisekarte orientiert sich an klassischen Gerichten der heimischen Küche. Vom Backhendl über Kalbshirn bis hin zu Markknochen wird hier bewusst auf traditionelle Aromen gesetzt, ohne große Inszenierung, dafür mit Fokus auf Geschmack und Substanz. Die Gerichte stehen für eine Küche, die ihre Wurzeln kennt und diese konsequent auf den Teller bringt.
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Vinothek. Die Weine sind nicht bloß Begleitung, sondern integraler Teil des kulinarischen Erlebnisses. Die Auswahl ist breit aufgestellt und darauf ausgerichtet, die Speisen sinnvoll zu ergänzen.
Auch atmosphärisch bleibt das Magazin zugänglich. Ein Gastgarten bietet zusätzlichen Raum in den warmen Monaten, das Ambiente ist unkompliziert und einladend. Barrierefreiheit, Kinderfreundlichkeit und die Offenheit gegenüber Hunden unterstreichen den Anspruch, ein Ort für unterschiedliche Gästegruppen zu sein.

Viva la Mamma
Dr.-Karl-Lueger-Platz 5, 1010 Wien

Mitten im 1. Bezirk setzt Viva la Mamma auf ein Konzept, das weniger über Inszenierung als über Gefühl funktioniert. Der Anspruch ist klar: ein Ort, der an die klassische italienische Tischkultur erinnert – gemeinsames Essen, gute Produkte und eine Atmosphäre, die Nähe schafft.
Die Küche orientiert sich an authentischen italienischen Vorbildern und legt großen Wert auf Herkunft und Qualität der Zutaten. Produzenten werden gezielt ausgewählt, viele Produkte stammen direkt aus Italien. Das Ergebnis ist eine Küche, die bewusst auf Handwerk und Klarheit setzt, statt auf Effekte.
Im Mittelpunkt steht die Pizza. Der Teig bekommt Zeit – ganze 48 Stunden Ruhe, bevor er verarbeitet wird. Das sorgt für eine besonders luftige, bekömmliche Struktur und einen ausgeprägten Geschmack. Belegt wird mit hochwertigen Zutaten, die den Anspruch des Hauses unterstreichen.
Darüber hinaus versteht sich das Restaurant als Ort des Miteinanders. Geteilt wird ausdrücklich gerne: Antipasti in der Mitte, Pizza zum Teilen, dazu ein Glas Wein. Das Konzept folgt der Idee, dass Essen mehr ist als reine Nahrungsaufnahme – nämlich ein soziales Erlebnis.












