Café Central macht Pause

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Das "alte" Café Central. © Café Central

Das Wiener Traditionscafé Central schließt für eine umfassende Generalsanierung. Nach rund 150 Jahren wird das Haus technisch und baulich erneuert. Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2026 geplant.

Mit der planmäßigen Schließung beginnt für das Café Central in der Wiener Herrengasse ein neues Kapitel. Im Jubiläumsjahr investiert der Betreiber Verkehrsbüro in eine umfassende Generalsanierung, die den Fortbestand des traditionsreichen Hauses sichern soll. „Mit der Renovierung des Café Central investieren wir in Qualität und Substanz und sichern damit den langfristigen Betrieb eines der bedeutendsten Traditionshäuser Europas“, sagt Vorstandsvorsitzender Martin Winkler.
Während der Bauphase übernimmt ein Pop up-Konzept auf der Freyung die Rolle als Ausweichstandort. Unter dem Namen „Decentral“ soll dort Kaffeehauskultur in moderner Form weitergeführt werden.

Technik am neuesten Stand

Die letzte große Renovierung liegt mehrere Jahrzehnte zurück, entsprechend umfassend fällt der aktuelle Eingriff aus. Neben der vollständigen Erneuerung der Gebäudetechnik werden auch Küchen- und Produktionsbereiche neu strukturiert.
Geschäftsführer Kay Fröhlich betont den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne: „Wir sichern die historische Identität des Gebäudes und realisieren zugleich eine umfassende technische Modernisierung im denkmalgeschützten Bestand.“ Ziel sei es, Arbeitsabläufe zu optimieren, Flächen effizienter zu nutzen und gleichzeitig das charakteristische Ambiente zu bewahren. „Das Café Central wird auch künftig genau jenes Ambiente bieten, das unsere Gäste aus aller Welt so schätzen“, so Fröhlich.

Martin Winkler und Kay Fröhlich
© Verkehrsbüro/Laura Schröder

Behutsame Restaurierung

Ein Schwerpunkt liegt auf der Restaurierung historischer Elemente. Möbel, Stoffe und Luster werden aufgearbeitet oder originalgetreu rekonstruiert. Wo spätere Einbauten nicht mehr dem Erscheinungsbild entsprechen, werden sie auf Basis historischer Recherchen ersetzt.
Architekt Peter Klein, der bereits früher am Palais Ferstel gearbeitet hat, beschreibt den Anspruch so: „Das Palais Ferstel ist selbst eine Zeitkapsel. In den nächsten Monaten haben wir vor, diese auch für weitere Generationen in dieser Form erlebbar zu erhalten.“

Ausweichquartier Café Decentral

Trotz der Schließung bleibt ein Großteil der 135 Mitarbeiter*innen im Unternehmen beschäftigt. Sie werden vorübergehend auf andere Standorte – unter anderem auf das Ausweichquartier Café Decentral auf der Freyung – verteilt. Auch die Ausbildung der Lehrlinge wird fortgeführt und teilweise erweitert.
Für die Betreiber ist das ein wichtiges Signal: „Unsere langjährigen Mitarbeiter*innen sind das Herz des Café Central. Dass wir sie nahezu vollständig halten können, ist ein starkes Zeichen für Kontinuität und Qualität“, sagt Fröhlich.
Mit der geplanten Wiedereröffnung im Herbst 2026 soll das traditionsreiche Kaffeehaus rechtzeitig zum Jubiläum in neuem Glanz erscheinen – technisch auf dem neuesten Stand und zugleich fest in der Wiener Kaffeehauskultur verankert.

© Verkehrsbüro/Laura Schröder

Baustellen-Facts

40 Prozent mehr Raum für Kulinarik: Die Hauptküche wird auf rund 300 m² modernster Produktionsfläche erneuert und die Küche der Patisserie um rund 100 m² vergrößert.

80 Prozent mehr Frischluft in der Küche: Die Luftmenge wird nahezu verdoppelt, für deutlich verbesserte Arbeitsplatzqualität und optimale Produktionsbedingungen. Pro Stunde wird damit künftig ein Luftvolumen bewegt, das dem Inhalt von mehreren Einfamilienhäusern entspricht.

80 m³ Erde unter dem Gebäude bewegt: Damit die neue Lüftung möglich wird, werden unter der Bodenplatte zusätzliche Kollektoren installiert. Dafür werden rund 80 Kubikmeter Erdreich ausgehoben. Das entspricht etwa acht voll beladenen Lkw-Ladungen.

350 m³ Rückbau im Bestand: Insgesamt werden rund 250 m³ Installationen sowie 100 m³ Betonfliesen und Estriche rückgebaut und fachgerecht abtransportiert. 800 m² neue Verfliesung wird verlegt, das entspricht in etwa der Fläche von vier Tennisplätzen an Boden- und Wandgestaltung.

20 Prozent weniger Schallbelastung: Modernste Technik reduziert die Geräuschentwicklung der Anlagen für Anrainer*innen deutlich.

Fernkälte: Kühl, klimafreundlich und bereit für die Zukunft – durch den Anschluss an das Fernkältenetz werden 50 Prozent der CO₂-Emissionen eingespart.