Der Gault Millau wählte Gelbmanns Gaststube in Ottakring zum besten Wiener Wirtshaus 2026. Genuss-Autor Locatin hat sich das vor Ort genauer angesehen.
Der Standort

Seit anno 1873 besteht das Wirtshaus, seit rund 15 Jahren führt Alexander Laskowsky den Traditionsbetrieb. Laskowskys sind ausgewiesene Profis der Gastro. Bruder Sebastian führt den kultigen Gmoa-Keller (Meinen Artikel über die Legendäre Leber finden Sie hier!) gemeinsam sind sie für den Waldviertler Hof verantwortlich. Alle drei Lokalitäten gehen gut.
Seit 14 Jahren pflege ich hier typische Wirtshauskultur. Wir verwöhnen unsere Gäste mit traditioneller Wiener Küche. Die Produkte stammen aus österreichischer Landwirtschaft – Fleisch vom Fleischhauer Gissinger; der Fisch von der Familie Aibler. Unser Angebot an österreichischen Spitzenweinen kann sich sehen lassen.
Alexander Laskowsky

Speis & Trank
Wir befinden uns gegen Ende der Ganslzeit, also ordern wir: Gansl. Davor kam noch Matjes nach Hausfrauenart. Wie die Ganslleber im Bild: alles unspektakulär, doch sehr in Ordnung, wobei: die Anrichte könnte einen Schuss Modernität vertragen. Schulmäßig präsentiert hingegen kommt das Gansl (saftig, aber knusprig) hernach mit Erdäpfelknödel (flaumig) plus Rotkraut. Letzteres wohl auf der süßen Seite, mit etwas Zimt und/oder Nelken mag das im grauen Wiener Advent kein Fehler sein.

Weiters: Fasan mit Specklinsen und Schupfnudeln. Tadellos die Specklinsen, das rare Federvieh (Saison: September – Jänner) festfleischig mit Biss und Geschmack. Ob es hier einer schlüssigeren Beilage bedürfte, muss jeder für sich entscheiden – man darf auch Erdäpfeln dazu ordern. Kurz zum Bier: Wir sind in Ottakring es gibt – hätten Sie’s gewußt? – Ottakringer Bier.

Der Wein
Im traditionellen Wirtshaus kommt dem Wein eine bedeutende Rolle zu. Gewiss, die ganz großen Etiketten haben auch hier ihren Preis. Doch findet man den spannenden Gemischten Satz des auch von “Mr. Wienwein Fritz Wieninger” (Interview finden Sie hier!) gemanagten Weinguts Hajszan-Neumann (um zarte 28, den Pinot Noir vom Lentsch (Gasthaus Zur Dankbarkeit), eine veritable Benchmark seit ewig, um schlanke 38 Euro auf der Karte. In Wien wohl einzigartig.
Das Fazit
Ob nun Gelbmanns Gaststube Wiens bestes Wirtshaus 2026 ist, wie der Gault Millau meint, mag als Orientierung fungieren, ist jedoch nicht spielentscheidend. Die Gaststube ist stets sehr gut besucht, der umsichtige Wirt wirkt oft vor Ort. Er kümmert sich um dieses und jenes, das Personal ist flink, aufmerksam und kundig. Die Küchenleistung: solide Kost – das Gesamtpaket: mehr als die Summe seiner Teile.
Tipp: Die Weinkarte wird Weinfreunde nicht durstig zurück lassen. Bei den mehr als fair kalkulierten Gewächsen, geht sich locker noch das eine oder andere Bonusflascherl aus.
Gelbmanns Gaststube
Wilhelminenstraße 62
1160 Wien
Di – Sa: 11.00 – 23.00
Infos: www.gelbmanns.at
Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com













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