Ein neues Kapitel für den Bräunerhof

Ina Dieringer

(c) Culinarius

Der Bräunerhof hat schon vieles gesehen: Literaten, die stundenlang in der Ecke saßen, Schauspieler, die mit grantigem Charme die Kellner begrüßten, Stammgäste, die Jahrzehnte lang denselben Platz hielten. Thomas Bernhard verbrachte viel Zeit hier, Oskar Werner und Helmut Qualtinger ebenso. Doch in den letzten Jahren verblasste der Glanz. Aufgrund finanzieller Engpässe stand eines der letzten großen Alt-Wiener Kaffeehäuser kurz vor dem Aus.

Jetzt kommt die Rettung. Mit Peter Friese, dem Mann hinter dem Schwarzen Kameel und der Campari-Bar, und der Gastro-Dynastie Plachutta, vertreten durch Mario und Christoph, übernehmen zwei Schwergewichte das denkmalgeschützte Lokal in der Stallburggasse. Sie zahlen für den Zuschlag einen hohen sechsstelligen Betrag, investieren rund eine halbe Million Euro in Renovierungen- und halten dennoch am wichtigsten fest: dem Charme des Hauses und seinem 14-köpfigen Team, das teils seit Jahrzehnten hier arbeitet.

Der Plan: entstauben, aber nicht austauschen. Das Publikum könnte sich ändern, die Preise wohl auch; der Apfelstrudel um vier Euro wird bald Geschichte sein. Doch die Handschrift von Friese und Plachutta verspricht ein Bräunerhof, der zwischen Tradition und feiner Inszenierung balanciert.

Die Übernahme beendet nicht nur Monate der Unsicherheit. Sie stellt auch die Frage, ob der Bräunerhof weiter das Wohnzimmer seiner Stammgäste bleibt- oder ob er sich in einen neuen Treffpunkt für Wiens mondäne Kaffeekultur verwandelt.