Bierbranche unter Druck

Angelika Kraft

© pixabay/Frantisek Krejci

Die heimische Brauwirtschaft steht vor spürbaren Veränderungen. Sinkender Konsum, neue gesetzliche Rahmenbedingungen und ein wachsender Trend zu alkoholfreien Bieren prägen die „Braubilanz 2025“. Trotz rückläufiger Mengen sieht die Branche darin vor allem einen strukturellen Wandel.

Gemma auf ein Bier? Diese Frage gehört in Österreich fast zum kulturellen Grundwortschatz. Das Krügerl steht für Geselligkeit, Stammtischkultur und kleine Auszeiten vom Alltag. Und doch wird es immer seltener bestellt. Die aktuellen Zahlen der Braubilanz 2025 zeigen: Auch die traditionsreiche Biernation bleibt von der allgemeinen Konsumzurückhaltung nicht verschont. Während sich Ausgehgewohnheiten verändern, Budgets knapper werden und neue Trends entstehen, befindet sich die heimische Brauwirtschaft in einem schrittweisen Anpassungsprozess an veränderte Marktrealitäten.

© Bierland Österreich

Der Biermarkt im Wandel

Mit einem Gesamtausstoß von 9,25 Millionen Hektolitern (inklusive alkoholfreier Biere und Export) verzeichnete Österreichs Brauwirtschaft 2025 ein Minus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Inlandsproduktion lag bei 7,88 Millionen Hektolitern, der Export bei 1,37 Millionen Hektolitern. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Auslandsgeschäft aus.

Als Hauptgründe gelten die gedämpfte Wirtschaftslage, steigende Sparquoten sowie ein verändertes Freizeit- und Genussverhalten. Laut Branchenvertretern handelt es sich weniger um eine kurzfristige Schwäche als um eine langfristige Verschiebung. Bierausstoß und Pro-Kopf-Konsum bewegen sich zwar weiterhin auf hohem Niveau, haben ihren Höhepunkt jedoch überschritten. „Mengenwachstum ist aus heutiger Sicht nicht mehr zu erwarten“, ist Karl Schwarz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs, überzeugt.

Parallel dazu wächst ein Segment kontinuierlich: alkoholfreie Biere. Ihr Anteil ist mit rund vier Prozent noch vergleichsweise klein, zeigt aber klare Dynamik. Geschäftsführer Florian Berger betont: „Aktuell ist eines von 25 in Österreich produzierten Bieren alkoholfrei.“ Gleichzeitig verbessere sich die Produktqualität laufend. Und auch Schwarz bestätigt: „Alkoholfreie Bier müssen den Vergleich mit dem Original geschmacklich nicht mehr scheuen“.

Florian Berger und Karl Schwarz
© Bierland Österreich/Kurt Keinrath

Dosenpfand sorgt für Einbruch

Zusätzliche Bewegung brachte 2025 die Einführung des Einwegpfands. Die Dosenbierproduktion brach deutlich ein: Rund 100 Millionen Dosen weniger wurden abgefüllt, ein Minus von 23 Prozent. Schwarz spricht von einer Branche, die „aufgrund des traditionell hohen Dosenbieranteils überproportional stark betroffen“ sei.

Eine Verlagerung auf andere Einweggebinde blieb weitgehend aus. Stabil entwickelte sich hingegen der Mehrweg-Bereich, der leicht zulegen konnte. Besonders die klassische 0,5-Liter-Mehrwegflasche sowie kleinere Poolflaschen gewannen an Bedeutung. Berger unterstreicht die strategische Bedeutung: „Uns als Branche ist es wichtig, für jeden Genussanlass weiterhin das passende Gebinde anbieten zu können.“

Die Gastronomie schließlich bleibt ein Sorgenkind der Branche. Fass- und Tankbier – traditionell stark im Wirtshaus verankert – gingen um vier Prozent zurück. Gründe sind neben der allgemeinen Teuerung auch strukturelle Veränderungen in der Wirtshauslandschaft. Gleichzeitig zeigt sich der Tourismus weiterhin als wichtiger Impulsgeber für den Bierkonsum.

Im Umbruch

Die österreichische Brauwirtschaft bleibt eine stabile Größe, steht aber sichtbar im Umbruch. Weniger Mengenwachstum, mehr Differenzierung und ein stärkerer Fokus auf Mehrweg und alkoholfreie Varianten zeichnen die Richtung vor. Ob sich der Bierkonsum wieder belebt, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie sich Wirtschaftslage und Ausgehfreude entwickeln.


Braubilanz 2025

Gesamtausstoß: 9,25 Mio. hl (-7,1 %)
Inlandsproduktion: 7,88 Mio. hl (-6,1 %)
Export: 1,37 Mio. hl (-12,4 %)
Alkoholfreies Bier: knapp 300.000 hl (+6,1 %)
Dosenbier: rund 100 Mio. Dosen weniger (-23 %)
Mehrweganteil: 72 % des Bierausstoßes
Beliebteste Sorte: Märzenbier mit rund 70 % Anteil
Gastronomie (Fass/Tank): -4 %