Ein Stück Süden mit Wiener Wurzeln

Avatar photo Ines Brunner

Eine Carbonara mit Stelzenfleisch erzählt manchmal mehr über ein Restaurant als jede Konzeptbeschreibung. Im Terra Rossa steckt darin die ganze Idee des Hauses: die Liebe zu Italien, die Verbundenheit mit Wien und der Wunsch, aus einem Restaurantbesuch eine kleine Auszeit zu machen.

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Die Sehnsucht nach dem Süden gehörte hier von Anfang an dazu. Die Mutter von Gastgeber Michael Fohler, aufgewachsen in einer Weinbau- und Heurigenfamilie, wollte sich ein Stück jenes Urlaubsgefühls nach Hause holen, für das im gastronomischen Alltag oft zu wenig Zeit blieb. Daraus entstand ein Restaurant, das seine italienische Ausrichtung ebenso selbstverständlich lebt wie seine Wiener Herkunft – nicht als strikte Trennung auf der Speisekarte, sondern als Zusammenspiel.

Heute ist das Terra Rossa ein Ort für ganz unterschiedliche Anlässe: vom Essen zu zweit bis zur Hochzeit mit großer Gesellschaft. Gastgeber Michael Fohler führt dabei die familiäre Geschichte des Hauses weiter und legt besonderen Wert auf eine unkomplizierte, persönliche Gastlichkeit. Gut essen, aufmerksam betreut werden und einfach abschalten – genau dieses Gefühl soll bleiben. Im Gespräch mit Gastro.News erzählt er von familiären Wurzeln, italienisch-wienerischen Begegnungen auf dem Teller und davon, wie im Terra Rossa Raum zum Genießen und Feiern entsteht.

Wie ist das Terra Rossa entstanden – und welche Idee stand am Anfang?

Michael Fohler: Aufgesperrt haben wir im September 2014. Meine Mutter kommt aus einer Weinbau- und Heurigenfamilie und hatte immer schon ein großes Faible für Italien. Der Familienwitz war eigentlich, dass der Beruf so wenig Raum für Urlaub lässt, dass sie sich zumindest ein Stück dieses Urlaubsgefühls nach Hause holen wollte.

Sie hat sich sehr intensiv in die Gestaltung eingebracht, auch in die Architektur und die Funktionalität des Hauses. Die italienische Ausrichtung war also von Anfang an Teil der Idee. Trotzdem waren wir damals noch nicht genau das Restaurant, das wir heute sind. Das Konzept hat sich weiterentwickelt, und wir haben als Familie viel lernen müssen. Eine Buschenschank ist etwas anderes als ein Restaurant. Diese Entwicklung war ein Prozess – kulinarisch genauso wie im täglichen Betrieb.

Sie beschreiben das Terra Rossa als „Kurzurlaub im Süden“. Welche Rolle spielt dabei der Standort abseits der Innenstadt?

Wir möchten einen Rahmen schaffen, in dem man abschalten und ein bisschen Urlaubsgefühl bekommen kann. Das beginnt nicht erst beim Essen, sondern schon mit der Atmosphäre: der Garten, die mediterrane Gestaltung, die Olivenbäume und das Gefühl, ein Stück weit aus dem Alltag herauszukommen.

Gleichzeitig gehört auch das Feiern zu dieser Idee. Wir sind damit aufgewachsen, dass Menschen zusammenkommen und besondere Anlässe miteinander verbringen. Diesen Gedanken wollten wir im Terra Rossa weiterführen – nur eben mit einem anderen Küchenkonzept und einem mediterranen Rahmen.

Unsere Lage unterstützt dieses Gefühl sehr. Wir sind innerhalb der Wiener Stadtgrenze und gut angebunden, aber nicht mitten im innerstädtischen Trubel. Man kann für ein paar Stunden Abstand gewinnen, ohne dafür weit wegfahren zu müssen. Genau dieses unkomplizierte „Raus aus dem Alltag“ soll bei einem kleinen Besuch genauso funktionieren wie bei einer großen Feier.

Die Gäste sollen dem Alltag ein Stück entfliehen können.

Ihre Küche ist ein „Rendez-Vous aus Altem Wien und der Adria“. Wie entsteht diese Verbindung auf dem Teller?

Italien soll die erste Assoziation sein, die ein Gast bei uns hat. Gleichzeitig wollen wir als Familie glaubwürdig bleiben. Unsere Herkunft lässt sich nicht einfach ausblenden – und das möchten wir auch gar nicht. Deshalb ist es eine italienisch geprägte Küche mit deutlich Wiener Einflüssen.

Ein sehr gutes Beispiel ist unsere Carbonara mit Stelzenfleisch. Da begegnen sich die beiden Welten ganz unmittelbar. Unsere Wiener Wurzeln und die Heurigenkultur fließen ganz selbstverständlich in die Gerichte ein, während Italien das dominante Element bleibt.

Diese Verbindung versuchen wir auch auf der Weinkarte abzubilden. Neben den Familienweinen und anderen österreichischen Weingütern liegt der internationale Schwerpunkt auf Italien. Besonders interessieren mich Weine aus dem Norden des Landes. Diese Regionen haben auch historisch eine Verbindung zu Österreich und Wien. Dazu gehören durchaus eigenständige Sorten, die für manche Gäste etwas erklärungsbedürftiger sind. Aber genau darüber kommt man ja auch gerne ins Gespräch.

Welche Rolle spielen Saisonalität und Produktqualität bei der Gestaltung Ihrer Karte?

Die Saison spielt eine sehr große Rolle. Wir werden im Winter keinen Spargel anbieten. Die Jahreszeit soll sich auf der Karte wiederfinden und mitbestimmen, womit wir arbeiten.

Bei den Produkten ist für uns vor allem die Qualität entscheidend. Österreichische Herkunft ist dort wichtig, wo sie sinnvoll ist und die Qualität passt – aber daraus lässt sich kein pauschales Versprechen für jede einzelne Zutat machen.

Am Ende zählt, was geschmacklich auf dem Teller passiert. Natürlich soll ein Gericht schön aussehen. Aber wir wollen nichts schaffen, das nur auf einem Foto funktioniert. Der Gast soll sagen können: Das hat mir geschmeckt, und so hätte ich es zu Hause nicht einfach selbst zusammengebracht. Dafür braucht es gutes Handwerk, nicht nur eine schöne Präsentation.

Mit dem Tapas-Sonntag haben Sie einen neuen Anlass für einen Besuch geschaffen. Was steckt dahinter?

Wir merken, dass sich die Besuchsgewohnheiten verändert haben. Unter der Woche ist das bei uns deutlicher spürbar, am Wochenende gehen die Menschen weiterhin gerne aus. Mein Eindruck ist: Sobald sie im Freizeitmodus sind, gönnen sie sich auch bewusst einen Restaurantbesuch.

Darauf haben wir mit angepassten Öffnungszeiten reagiert und den Sonntag auf den ganzen Tag ausgeweitet. Dazu kommt unser Tapasbrunch: Wir bieten Gerichte unserer Karte in kleineren Portionen an, ergänzt um einige Frühstücksgerichte. Man kann aber weiterhin ganz normal à la carte essen.

Die Idee ist, unterschiedliche Gelegenheiten zu schaffen. Jemand kommt nach einem Spaziergang am Nachmittag auf einen kleinen Teller frittierte Calamari und ein Getränk vorbei. Andere stellen sich aus mehreren Tellern ein ausgedehntes Essen zusammen.

Man muss sich also nicht gleich auf einen großen Restaurantbesuch festlegen. Gleichzeitig laden die kleineren Portionen dazu ein, etwas auszuprobieren, das man sonst vielleicht nicht bestellen würde. Es geht nicht um klassische spanische Tapas, sondern um unsere Küche in einem anderen Format.

Was ist Ihnen im Umgang mit den Gästen besonders wichtig – und wie viel Heurigenkultur steckt noch darin?

Sehr viel, vor allem im persönlichen Umgang. Der erste Eindruck muss passen. Ein Gast kommt mit Vorfreude, manchmal vielleicht auch mit einer gewissen Zurückhaltung. Darauf möchten wir mit Freundlichkeit reagieren. Der Service soll charmant sein, aber nicht aufdringlich.

Bei Stammgästen gehört dazu, ihre Gewohnheiten zu kennen. Wenn jemand immer denselben Aperitif trinkt, darf der auch schon bereitstehen, ohne dass jedes Mal alles neu erklärt werden muss. Diese Aufmerksamkeit kennen wir aus dem Heurigen.

Der Gast soll beim Gehen das Gefühl haben, gut betreut worden zu sein und sich wirklich entspannt zu haben. Im besten Fall nimmt er die einzelnen Handgriffe im Service kaum wahr, weil einfach alles passt.

Gleichzeitig wollen wir uns selbst nicht zu ernst nehmen. Es geht um Essen und Trinken. Wir wünschen uns eine zwanglos elegante Atmosphäre, in der niemand überlegen muss, ob er den Löffel richtig in die Suppe taucht. Wer nach dem Baden in Flipflops zu uns kommt, soll sich genauso willkommen fühlen. Gute Küche darf keine Hemmschwelle erzeugen.

„Keiner soll eine Hemmschwelle haben, zu uns zu kommen.“

Veranstaltungen sind für das Terra Rossa längst ein wichtiger Schwerpunkt. Was macht das Haus als Eventlocation besonders?

Mittlerweile sind Veranstaltungen zu einem unserer wichtigsten Geschäftsfelder geworden. Wir begleiten weit über hundert Feiern im Jahr – von kleineren Gesellschaften bis zu Veranstaltungen mit rund 160 Personen.

Besonders Hochzeiten haben sich früh als Schwerpunkt herauskristallisiert. Auch die Trauung kann bei uns vor Ort stattfinden. Das Terra Rossa kann damit den Rahmen für den gesamten Hochzeitstag bieten und nicht nur für das anschließende Essen. Gerade bei Hochzeiten merke ich, wie wichtig es ist, dass sich die Gäste vom ersten Moment an gut aufgehoben fühlen und sich auf den Tag einfach einlassen können.

Ein großer Vorteil ist unsere eingespielte Mannschaft. Wir sind ein Eventlokal mit À-la-carte-Betrieb – Küche und Service arbeiten laufend hier und kennen das Haus, die Abläufe und das Equipment genau. Diese Vertrautheit macht gerade bei größeren Feiern einen Unterschied. Es geht schließlich nicht nur um schöne Räumlichkeiten, sondern auch darum, dass Essen, Service und Betreuung verlässlich funktionieren.

Dazu kommt, dass Haus und Außenbereiche sehr unterschiedliche Formate ermöglichen. Gerade bei Hochzeiten oder Firmenfeiern können dadurch verschiedene Teile des Tages an einem Ort stattfinden – vom Ankommen über das Essen bis zur eigentlichen Feier.

Was soll sich im Terra Rossa weiterentwickeln – und was möchten Sie unbedingt bewahren?

Wir möchten als Veranstaltungsort noch bekannter werden, auch für Unternehmen. Gleichzeitig liegt uns der Tapas-Sonntag sehr am Herzen. Beide Bereiche möchten wir künftig noch stärker sichtbar machen.

Außerdem überlegen wir, wieder gelegentlich kleinere Veranstaltungen rund um Wein zu machen: Winzer einzuladen, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten, dazu ein mehrgängiges Menü und eine passende Weinbegleitung. Damit könnten wir den Weingütern eine Bühne geben und unserer Küche Raum, sich auszuprobieren. Das haben wir früher schon gemacht und würden es gerne wieder aufgreifen.

Bei allem, was sich weiterentwickelt, soll das Haus zugänglich bleiben. Die Gäste sollen gut essen, sich wohlfühlen und ohne Berührungsängste zu uns kommen können. Dieses entspannte, persönliche Gefühl, bei dem man sich nicht verstellen muss, soll auch in Zukunft der Kern des Terra Rossa bleiben.

Gastro.News bedankt sich fürs Gespräch.


Weitere Eindrücke vom Terra Rossa:

Fotocredits: (c) Terra Rossa

Terra Rossa

Roterdstraße 3, 1160 Wien
Do & Fr, 18:00–23:00 Uhr
Sa, 12:00–23:00 Uhr
So, 12:00–21:00 Uhr

Mo, Di, Mi & feiertags geschlossen

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