Der “Wrenkh” am Wiener Bauernmarkt gilt seit Langem als eine der ersten Adressen für Freunde der gehobenen Gemüseküche. Ob das immer noch gilt, hat sich Genuss-Autor Marko Locatin vor Ort angesehen.
Die Gebrüder Karl und Leo Wrenkh offerierten bereits eine ausgefeilte vegetarische, respektive vegane Küche, als das in Wien noch eine Seltenheit war. Von Beginn an erfolgreich, kamen im Laufe der Jahre ein Imbiss und eine Kochschule dazu. Solides Handwerk, Neugier, Kooperationen sowie ein sicheres Händchen für Trends (Japan!) bilden das Fundament. Aber auch jener lockere, nicht missionarische Umgang mit fleischloser Küche, der anderen Anhängern mitunter abzugehen scheint.
Austernpilz-Schnitzel & Blunzen-Gröstel
Auch an diesem klirrend kalten Mittwochabend ist das hell verglaste, stimmungsvoll ausgeleuchtete Restaurant am Bauernmarkt gut gefüllt. Angenehme Atmosphäre, die Stimmung heiter, die Musik detto (Sting). Am Nebentisch trinken drei Jungs naturnahe Weine. Doch nun zu den Speisen, meist noch nach Fleischgerichten benamst. Wir essen uns quer durch die Karte, die Hauptspeisen – sie geraten daher etwas kleiner. Erster Gang: Wilder Bröselkarfiol/Noribrösel/Fondantkürbis mit Kernölcreme ist ein Höhepunkt. Der Karfiol kommt mit ordentlich Röstaromatik, die Alge bringt Japan ins Spiel, der Kürbis sorgt für Cremigkeit.

Ein stimmiges Gericht. Wie auch “Kartoffel & Kaviar”: Schichtkartoffel Pilzjus und Rote Rübe – perfektes Handwerk, balancierter Geschmack. “Sprossen im Winter” (hübscher Titel!) sind Kohlsprossen in einem Tempurateig mit Baba Ghanoush, wobei der Teig nicht mit der Leichtigkeit eines klassischen Tempurateiges zu glänzen vermag. Ein Klassiker hier ist das panierte Schnitzel vom Austernpilz mit Zitronen-Mayo und schulmäßigen Petersilieerdäpfeln. Genial das “Blunzengröstel”, das sich als Rote Rüben mit pikant gerösteten Karpern entpuppt.

Fazit
Einfallsreiche, saisonal geprägte Gemüseküche mit kleinen Schwächen. Manches hübsch und liebevoll präsentiert, wurde etwa dem Blunzengröstel der Gurkensalat allzu zwanglos dazugelegt. Der Service gut gelaunt, kundig, bemüht, manchmal ein wenig sehr selbstbewußt. Insgesamt aber alles Kleinigkeiten. Erfreulich auch die “3-Gläser” genannte Weinbegleitung um wohlfeile 15 Euro – die es auch ohne Alkohol gibt. (3 Gänge 55 Euro) Übrigens: Und ab und an gibt es auch Fisch.
Tipp: Kochkurse der Wrenkhs mit einem Portfolio von Mexikanisch, Japanisch, Persisch, Orientalisch. Ergänzt durch “Wienerisch”, wo die beiden zeigen, dass sie auch Fleisch können – natürlich in Bio.
Wrenkh
Bauernmarkt 10
1010 Wien
Mo-Fr: 11.00 – 23.00
Sa: 12.00 – 23.00
www.wrenkh–wien.at
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