Kaffee als kulturelles Erbe: Wie das Wiener Rösthaus im Prater Tradition neu belebt 

Leonie Noe

Zwischen Wiener Kaffeehauskultur und handwerklicher Präzision entsteht im Prater ein besonderer Ort des Genusses. Seit 2013 führt Silvia Maino hier eine Rösterei, die Kaffee als kulturelles Erbe begreift. Mit viel Hingabe, sensorischem Feingefühl und Respekt vor der Herkunft der Bohnen verbindet sie Tradition mit zeitgemäßem Anspruch. Ein Ansatz, der man schmecken kann.

Die Idee, in Wien eine handwerkliche Kaffeerösterei zu gründen, war mutig – und zugleich naheliegend. Denn während die Stadt für ihre Kaffeehäuser weltberühmt ist, war das echte Rösthandwerk zunehmend in den Hintergrund geraten. „Wien besitzt mit der Wiener Röstung eine Tradition, die in Europa einzigartig ist“, sagt Silvia Maino. „Wir wollten verhindern, dass sie leiser wird.“ Mit dieser Vision entstand das Wiener Rösthaus im Prater – bewusst klein gehalten, mit jährlich nur 15 bis 20 Tonnen Rohkaffee, um Qualität und Handwerk in den Mittelpunkt zu stellen.

Kaffee, der Geschichten erzählt

Im Wiener Rösthaus beginnt jede Tasse Kaffee mit einer Geschichte. Herkunft, Anbau, Verarbeitung und die Menschen hinter den Bohnen sind untrennbar miteinander verbunden. „Kaffee ist für uns kein Produkt, sondern ein kulturelles Erbe“, erklärt Maino. Entsprechend arbeitet das Team mit Rohkaffees aus rund 45 Ursprungsländern und pflegt enge Beziehungen zu Farmen und Kooperativen in Peru, Guatemala, Thailand und Bali – Beziehungen, die auf Vertrauen und Respekt beruhen.

Handwerk mit Gefühl und Erfahrung

Geprägt wurde dieser Zugang durch die Ausbildung bei Professor Edelbauer, einer Schlüsselfigur des österreichischen Kaffeehandwerks. Unter seiner Anleitung lernte Silvia Maino, Kaffee nicht als technischen Vorgang, sondern als sensorisches Handwerk zu verstehen. Beobachten, riechen, schmecken – und daraus Entscheidungen ableiten. Diese Philosophie prägt bis heute jedes Röstprofil im Wiener Rösthaus, in dem ausschließlich Arabica sortenrein geröstet wird, um die Charakteristik jeder Herkunft erlebbar zu machen.

Ein Ort, an dem Kaffeekultur weiterlebt

Mit dem Röstraum im Wiener Prater wird Kaffee wieder das, was er immer war: ein kulturelles Bindeglied zwischen Menschen, Orten und Geschichten. Das Wiener Röshaus zeigt, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken können. So entsteht ein Ort, an dem Kaffee nicht nur getrunken, sondern verstanden, erlebt und weitergedacht wird – ganz im Sinne der Wiener Kaffeekultur, die sich seit jeher durch Offenheit, Qualität und Zeit zum Genießen auszeichnet.