Zum Weltfrauentag richten wir den Blick auf Frauen, die die Gastronomie prägen – oft hinter den Kulissen, immer häufiger aber auch sichtbar an der Spitze. Denn obwohl die Branche ohne sie kaum denkbar wäre, sind Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Umso wichtiger ist es, jene sichtbar zu machen, die Restaurants führen, Konzepte entwickeln und mit Leidenschaft, Mut und unternehmerischem Gespür neue Maßstäbe setzen.
Viele Gastronominnen tragen dabei nicht nur Verantwortung für Küche, Service und Team, sondern jonglieren gleichzeitig mit Familie, Managementaufgaben und wirtschaftlichem Risiko. Ihre Wege sind selten geradlinig – sie reichen von klassischen Karrierepfaden bis zu Quereinstiegen aus ganz anderen Branchen. Der Weltfrauentag ist daher auch eine Gelegenheit, diese unterschiedlichen Lebenswege sichtbar zu machen und den Frauen eine Stimme zu geben, die die Branche Tag für Tag (mit)gestalten.
Eva Mörwald – Mörwald

Eva Mörwald ist überzeugt, dass die Herausforderungen für Frauen in der Gastronomie nicht anders sind als in anderen Branchen. „Das größte Thema ist die Mehrfachbelastung der Frauen. Das Kindergebären ist die eine Sache, aber dann geht’s erst los. Betreuung, Erziehung, Haushalt, Pflege… all das lastet nach wie vor zu einem großen Teil auf den Schultern der weiblichen Gesellschaftshälfte.“ Gleichzeitig soll frau dabei makellos aussehen, funktionieren, sich ständig mit ihresgleichen messen. Doch Gastronomie und Hotellerie haben einen Vorteil: „Ein großer Vorteil in Gastronomie und Tourismus ist, dass man praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Voll- oder Teilzeitjob findet und so die optimale Familienlösung herstellen kann.“ Dennoch: Dass ein einzelner Weltfrauentag etwas Grundsätzliches verändert, glaubt sie nicht. „Eigentlich hat der Tag keine große Bedeutung für mich.“ Eva Mörwald selbst hat einen unkonventionellen Karriereweg hinter sich. Als gelernte Maschinenbau-Ingenieurin begann sie in Konstruktion und Entwicklung, wechselte später in den technischen Vertrieb. Erst mit 36 kam sie in den Betrieb ihres Mannes, wo sie sich seither um Verkauf und Marketing kümmert. „Das Prinzip des Verkaufes ist im Prinzip überall das gleiche, und die Arbeit in diesem Bereich macht mir wirklich großen Spaß. Nichts beschert mir mehr Genugtuung wie ein guter Abschluss.“ Ihr Credo für ihre drei Töchter? „Ich sag auch immer zu meinen drei Töchtern, dass man als Frau über alle Maßen flexibel sein sollte und sich für nichts zu schade sein darf.“ Karrierewege verlaufen selten linear, schon gar nicht für Frauen. Wer sich nicht zu schade ist und offen bleibt, wird immer einen Weg finden.
Angelika Strasser-Edhofer – Markthof im Wienerwald, Die Buschenschank

„Professionalität, Flexibilität, Beständigkeit und ein integrativer Anspruch an Nachhaltigkeit sind wichtige Werte, die ich aus meiner Managementvergangenheit mitgenommen habe und die nun „das Markthof“ maßgeblich prägen. Es ist mir ein natürliches Anliegen, dass einander Expertise, Hingabe und Familie nicht ausschließen und bin froh, dass unser gesamter Betrieb ein vielfältiges Beispiel dafür ist.“ sagt Gastronomin und Visionärin Angelika Strasser-Edhofer. Die ehemalige Managerin kümmert sich neben Familie, Haus und Restaurant auch um die Vermarktung der Produkte, die zwei Hofläden und die Buschenschank. Die ehemalige Managerin kümmert sich neben Familie, Haus und Restaurant auch um die Vermarktung der Produkte, die zwei Hofläden und die Buschenschank. Geprägt wurde ihr Zugang zur Gastronomie schon früh durch eine starke weibliche Figur: ihre Großmutter. Diese bewirtete mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft regelmäßig große Familienrunden und vermittelte Strasser-Edhofer schon als Kind, wie viel Gemeinschaft und Leidenschaft im Kochen und Gastgebersein steckt – Werte, die sie heute selbst in ihrem Betrieb weiterführt.
Parvin Razavi – &flora

Als Küchenchefin im &flora kennt Parvin Razavi die Herausforderungen einer noch immer männerdominierten Branche. „Oft wird erwartet, dass Frauen sich zurücknehmen. Aber das ändert sich langsam.“ Neben anspruchsvollen Arbeitsbedingungen kämpft sie für gleiche Chancen: „Es reicht nicht, gut zu kochen – wir wollen auf Augenhöhe arbeiten.“ Der Weltfrauentag erinnert sie an Erfolge, aber auch an ungehörte Stimmen. „Ich feiere die Frauen, die vor uns gekämpft haben, aber auch die unsichtbaren Heldinnen, die täglich für Veränderung sorgen.“ Die Rolle von Frauen in der Gastronomie wächst – aber zu langsam. „Heute prägen wir die Branche als Führungskräfte und Unternehmerinnen, doch es braucht mehr Unterstützung und Sichtbarkeit.“ Ihre Inspiration? Nicht die großen Namen, sondern vor allem die Frauen, die in den Schatten der großen Namen arbeiten. Auch ihre Mutter prägte sie: „Sie hat mir nicht nur das Kochen beigebracht, sondern auch, was es heißt, stark zu sein.“ Ihr eigener Weg war unkonventionell, doch für sie ist Kochen mehr als ein Handwerk: „Es bedeutet Gastfreundschaft, Zugehörigkeit und Liebe.“ Genau das bringt sie ins &flora – mit jeder Zutat, jedem Teller, jedem Tag.
Vlatka Bijelac – beef & glory

Frauen neigen leider dazu, sich stark zu unterschätzen – das sieht Vlatka Bijela tagtäglich. „Egal, ob es um ihre Leistung, Wahrnehmung oder Geld geht – und das sehe ich auch sehr stark in unserem Haus. Wir müssen regelrecht die Damen zu ihrem Glück pushen, wenn es darum geht, sie im Unternehmen wachsen zu lassen.“ Auch in Bewerbungsgesprächen sei der Unterschied deutlich spürbar: „Frauen sind viel zurückhaltender und vorsichtiger in ihrer Kommunikation und Erwartungshaltung als der Großteil der Männer.“ In der Gastronomie gibt es noch eine weitere Herausforderung – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Besonders in einem Restaurant mit reinem Abendgeschäft ist es für Frauen oft schwieriger, Arbeit und Kinder zu managen. „Doch wenn sie es schaffen, sind sie in ihrem Tun extrem effizient und optimieren und managen alles extrem gut.“ Was den Weltfrauentag betrifft, hat sie eine klare Meinung: „Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen – in unserem Haus wird kein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht. Will eine Frau hinter der Bar arbeiten, so hat sie ebenfalls dafür Sorge zu tragen, dass sie das Bierfass austauschen kann.“ Sie schätzt die Anerkennung, die mit dem Tag einhergeht, doch er ist für sie nicht essenziell. „Wir Frauen müssen so viel mehr im Leben leisten, um in der gleichen Position wie ein Mann im Generellen gesehen zu werden. Doch es gibt auch keinen Weltmännertag. Ich bin immer und überall für Gleichstellung – somit bräuchte ich diesen speziellen Tag nicht unbedingt. Mir ist lieber, die Frau wird täglich in ihrem Tun und Dasein wahrgenommen und mit Respekt und Wertschätzung behandelt.“
Maha Danesh – Bettelstudent, Paul&Anna

Maha Danesh übernahm vor kurzem die Leitung von einem der renommiertesten Szene-Hotspots Wiens: dem charmanten “Der Bettelstudent”. Diese Übernahme unterstreicht nicht nur ihr unternehmerisches Geschick, sondern auch ihre Leidenschaft für die Gastronomie und ihre Bereitschaft, die kulinarische Landschaft der Stadt zu prägen und zu bereichern. Heute, zwei Jahre später, blickt sie mit Stolz auf weitere Meilensteine, wie das “Paul&Anna” zurück und mit Optimismus und Freude in die Zukunft: “Der Weltfrauentag steht für mich nicht nur für die Leistungen und Errungenschaften der Vergangenheit, sondern setzt den Fokus auf die Zukunft. In der Gastronomie, wo Gastfreundschaft und Kreativität verschmelzen, sollen wir uns daran erinnern, dass jede Frau das Potenzial hat, in der, oft von Männern dominierten kulinarischen Welt, zu glänzen.”
Jessica Chen – Momoya

Zum Anlass des Weltfrauentages möchten wir die beeindruckende Entwicklung der Gastronomin Jessica Chen hervorheben. Sie leitet mit großem Erfolg mittlerweile drei erstklassige Lokale in der belebten Wiener Innenstadt. Ihre Erfolge stehen nicht nur für ihre unternehmerische Fähigkeiten, sondern auch für ihre inspirierende Rolle als weibliche Führungskraft in der gastronomischen Welt. Mit ihrem unermüdlichen Engagement und ihrer Leidenschaft für Gastfreundschaft hat sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ist eine Quelle der Inspiration für zukünftige Generationen von Frauen in der Branche. “Frauen in der Gastronomie bringen Geschmack und Herz in jede Mahlzeit – sie sind die Würze des Lebens.” lässt uns Jessica Chen anlässlich des Weltfrauentages ausrichten und da können wir nur zustimmen!
Christina Hummel – Café Hummel

Für Christina Hummel braucht es mehr Frauen in Führungspositionen, weil sie täglich erlebt, wie viel Stärke und Kompetenz Frauen in die Branche einbringen. „Ich kenne viele starke Frauen“, sagt die Gastronomin. Gerade weibliche Eigenschaften würden dabei oft unterschätzt. „Wir lassen Emotionen zu, wir sind einfühlsamer – und genau das ist eigentlich ein großer Vorteil.“ Lange Zeit habe sie diese Seite selbst anders gesehen. „Früher habe ich das eher als Schwäche betrachtet.“ Heute ist sie überzeugt, dass gerade diese Empathie in der Führung von Teams und im Umgang mit Gästen eine wichtige Rolle spielt – und ein entscheidender Mehrwert für die Gastronomie sein kann.
Evelyn Schranz – Deval

Evelyn Schranz führt ihr Unternehmen gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner – und erlebt im Alltag dennoch regelmäßig Situationen, die zeigen, wie tief alte Rollenbilder noch sitzen. „Ist der Chef anwesend?“, werde sie oft gefragt. Ihre Antwort fällt dann klar aus: „Sie sprechen gerade mit der Chefin.“ Geprägt hat sie vor allem ihre Familie. Ihre Schwester, die 18 Jahre älter ist, habe ihr schon früh vorgelebt, wie wichtig es sei, selbstständig und stark zu sein. Auch ihre Mutter habe ihr vermittelt, dass man im Leben auf eigenen Beinen stehen müsse – nichts werde einem geschenkt. Diese Haltung begleitet Schranz bis heute: Egal in welcher Situation man sich befinde, man müsse einfach reagieren und Lösungen finden. “Ich finde den Weltfrauentag sehr wichtig, weil er uns daran erinnert, wie viel Frauen bereits erreicht haben und dass es weiter unsere Aufgabe ist, gleiche Chancen für alle zu schaffen.” , so Schranz. “Im Idealfall stehen wir irgendwann hoffentlich an dem Punkt, wo Menschen einfach als Menschen wahrgenommen werden, egal welches Geschlecht jemand hat.”
Veronika Doppler – Vestibül

Für Veronika Doppler, die das Vestibül seit vielen Jahren führt, ist der Weltfrauentag vor allem eine Gelegenheit, die Leistungen von Frauen sichtbar zu machen. „Als Unternehmerin sehe ich jeden Tag, wie viel Leidenschaft und Durchhaltevermögen Frauen in diese Branche einbringen. Das erlebe ich besonders bei meinen Mitarbeiterinnen.“ Zwei Frauen aus ihrem Team seien im Management tätig und gleichzeitig Mütter. „Sie arbeiten Teilzeit und leisten Großartiges – nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Familie. Das ist eine enorme Challenge, und man muss sie dabei unterstützen. Für mich sind sie echte Multitasking-Heldinnen.“ Gerade deshalb versuche sie selbst, Frauen in der noch immer männerdominierten Branche zu fördern. „Ich bin stolz darauf, als Wirtin meinen eigenen Weg zu gehen und mir ein Umfeld zu schaffen, in dem Frauen arbeiten und wachsen können.“ Wenn es um Veränderungen in der Branche geht, glaubt Doppler vor allem an Verantwortung im eigenen Umfeld. „Veränderung kann oft nur im eigenen Mikrokosmos stattfinden. Wir müssen sie selbst umsetzen und dürfen nicht nur auf die Politik warten.“ In ihrem Betrieb achte sie bewusst auf Gleichberechtigung, etwa bei der Bezahlung. „Natürlich braucht es auch gesetzliche Rahmenbedingungen. Aber für echte Entwicklung sind wir als Individuen verantwortlich.“ Ihr langfristiges Ziel sei klar: „Eigentlich sollte es irgendwann gar keine solchen Gesetze mehr brauchen.“
Sarah-Maria Kölbl – Pisqu

Für Sarah-Maria Kölbl hat sich in der Gastronomie zwar vieles verändert – dennoch sieht sie weiterhin Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen. Schon während ihres Studiums arbeitete sie in der Gastronomie, ursprünglich nur neben ihrem eigentlich geplanten Berufsweg. „Dann hat sich ergeben, dass ich gemeinsam mit meiner Schwester den Betrieb übernommen habe“, erzählt sie. Besonders geprägt habe sie ihre Großmutter: „Ihr Mann ist früh gestorben, und sie hat mir gezeigt, dass man auch ohne Mann kann.“ Für ihre Zeit sei sie eine außergewöhnlich starke Frau gewesen. „Sie hat mir das sehr positiv vorgelebt.“ Heute erlebt Kölbl selbst, dass Frauen es in Führungspositionen oft schwerer haben. „Ich habe den Eindruck, dass man als Frau immer eine extra Schippe drauflegen muss, um das Gleiche zu bekommen wie ein Mann.“ Diese Erfahrung mache sie auch im Alltag im Betrieb. „Bei manchen Mitarbeitern oder Köchen merke ich, dass sie sich mit mir vielleicht nicht so unterhalten würden, wenn ich ein 50-jähriger großer Mann wäre.“ Umso wichtiger sei es, dranzubleiben und den eigenen Weg zu gehen.












