Transgourmet baut sein Geschäft in Tirol aus: In Innsbruck-Kematen hat der Gastronomie-Großhändler einen neuen Standort eröffnet. Rund 28 Millionen Euro wurden investiert, mehr als 20.000 Artikel werden von hier aus ausgeliefert. Eine Besonderheit: Erstmals verzichtet Transgourmet an einem österreichischen Standort komplett auf einen klassischen Abholmarkt.
Mit Innsbruck-Kematen nimmt Transgourmet seinen mittlerweile 18. Standort in Österreich in Betrieb – und probiert dabei ein neues Konzept aus. Erstmals handelt es sich um einen reinen Zustellstandort. Von Kematen aus sollen künftig vor allem Gastronomie- und Hotelleriebetriebe im Großraum Innsbruck und im Tiroler Oberland beliefert werden. Rund 3.800 Betriebe liegen im Einzugsgebiet.
Der Fokus auf die Zustellung kommt nicht von ungefähr: In Tirol liegt der Zustellanteil in Gastronomie und Hotellerie laut Transgourmet bei nahezu 80 Prozent. Mit dem neuen Standort will der Großhändler deshalb vor allem die Wege zu seinen Kundinnen und Kunden verkürzen und schneller auf Bestellungen und Anforderungen reagieren können.
„Tirol ist eine der stärksten Tourismusregionen Europas und entsprechend hoch sind die Ansprüche an Qualität und Service“, sagt Transgourmet-Österreich-Geschäftsführer Thomas Panholzer. Mit dem Standort wolle man näher an die Kundschaft rücken und „noch schneller und flexibler“ reagieren.

28 Millionen Euro investiert
Die Dimensionen des Projekts sind beachtlich. Gebaut wurde von März 2025 bis August 2026 auf einem 23.480 Quadratmeter großen Grundstück. Die verbaute Fläche beträgt 11.000 Quadratmeter. Insgesamt investierte Transgourmet rund 28 Millionen Euro in den Bau. Davon gingen nach Unternehmensangaben rund 14,5 Millionen Euro über Bau- und Lieferaufträge an Tiroler Unternehmen.
40 ausführende Unternehmen waren an dem Projekt beteiligt. Während der Bauarbeiten wurden 17.000 Kubikmeter Erde ausgehoben und 26.000 Kubikmeter aufgeschüttet, dazu kamen 8.900 Kubikmeter Beton und 460 Tonnen Bewehrungsstahl. Rund 125 Kilometer Kabel und Leitungen wurden allein für Elektro und Daten verlegt.
Das Herzstück bildet die Logistik: Zur Verfügung stehen unter anderem 1.200 Quadratmeter gekühltes Lager, 4.200 Quadratmeter ungekühltes Lager, 1.800 Quadratmeter Tiefkühllager sowie eine 2.800 Quadratmeter große Auslieferungshalle. 31 Verladerampen und elf Schnelllauftore sollen für einen möglichst reibungslosen Warenfluss sorgen.
Zum Start arbeiten rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Innsbruck-Kematen. Langfristig sieht Transgourmet am Standort Potenzial für bis zu 150 Beschäftigte.

Mehr als 20.000 Artikel für die Gastronomie
Das Sortiment umfasst mehr als 20.000 Artikel und soll unterschiedliche gastronomische Konzepte abdecken – vom traditionellen Wirtshaus über Berghütten bis hin zur Spitzengastronomie. Einen Schwerpunkt bilden Frischeprodukte wie Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse.
Hinzu kommen nationale und internationale Marken, Eigenmarken sowie rund 3.500 Weine und Schaumweine, Spirituosen, JAVA Kaffee aus der unternehmenseigenen Rösterei und das Premium-Sortiment Transgourmet Cook.
Ein besonderes Augenmerk will das Unternehmen auf Produkte aus Tirol legen. Transgourmet versteht sich dabei als Bindeglied zwischen Produzenten und Gastronomiebetrieben und will heimischen Erzeugern zusätzliche Absatzmöglichkeiten eröffnen.
„Regionalität ist dabei für uns kein Schlagwort, sondern Teil der täglichen Sortimentsarbeit“, sagt Manuel Hofer, Geschäftsleiter Einkauf und Finanzen bei Transgourmet. Tiroler Produzenten sollen eine Plattform bekommen, gleichzeitig sollen deren Produkte möglichst unkompliziert ihren Weg in Gastronomie und Hotellerie finden.

Neues „Genussquartier“ statt Verkaufsmarkt
Ganz ohne Fläche für Begegnungen kommt der reine Zustellstandort dennoch nicht aus. Weil in Innsbruck-Kematen ein klassischer Verkaufsmarkt fehlt, hat Transgourmet dafür ein eigenes Konzept entwickelt: das sogenannte „Genussquartier“.
Auf rund 300 Quadratmetern befinden sich eine Showküche sowie ein Bar- und Veranstaltungsbereich. Dort sollen künftig Produktneuheiten präsentiert, Verkostungen veranstaltet sowie Workshops und Schulungen angeboten werden. Auch neue gastronomische Ideen sollen hier ausprobiert werden können. Die Transgourmet-Vertriebsmarken Cook, JAVA, Trinkwerk und Gastro Profi bekommen ebenfalls Platz für Präsentationen.
Standortgeschäftsleiter Daniel Herb sieht die Funktion des neuen Standorts deshalb nicht ausschließlich in der Warenzustellung. Neben der Logistik sollen Beratung, Services, digitale Lösungen und fachlicher Austausch eine Rolle spielen. Das Ziel sei, den gastronomischen Alltag zu erleichtern und den Betrieben dadurch mehr Zeit für ihre Gäste zu verschaffen.
Photovoltaik auf mehr als 3.000 Quadratmetern
Auch bei der Energieversorgung setzt Transgourmet auf eine Reihe technischer Maßnahmen. Auf mehr als 3.000 Quadratmetern wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 700 kWp errichtet. Die Abwärme der Kältetechnik wird zur Beheizung des Gebäudes genutzt. Dazu kommen begrünte Dachflächen, Wasserrückhaltung und zehn E-Ladestellen.
Eine 400-kW-Notstromanlage kann im Bedarfsfall den gesamten Standort versorgen. Mit Ausnahme des Fuhrparks wird Innsbruck-Kematen laut Transgourmet CO₂-neutral betrieben.
Für Geschäftsführer Thomas Panholzer verbindet der Neubau damit zwei zentrale Bereiche: „Mit diesem Standort verbinden wir moderne Logistik mit regionaler Nähe.“ Das Unternehmen wolle langfristig in Tirol investieren und gemeinsam mit Gastronomie, Hotellerie sowie Lieferanten und Produzenten in der Region weiterwachsen.
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