Alarmmodus auf der Hospiz Alm

Lisa Matharu

(c) iStock, Alex Kane

In der Welt der alpinen Spitzengastronomie geht es meist um perfekte Inszenierung, diskrete Exzellenz und darum, dass Probleme bitteschön hinter der schweren Holztür bleiben. Umso größer ist nun der Gesprächsstoff in der Branche: Die Hospiz Alm, eine der bekanntesten Adressen der Tiroler Gastronomie, hat sich nach interner Prüfung mit sofortiger Wirkung von ihrem Geschäftsführer Alexander Pale getrennt.

Mitten in der Saison, wohlgemerkt. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem man üblicherweise eher über Weinjahrgänge als über personelle Veränderungen spricht.

Interne Prüfung, externe Wirkung

Nach Angaben aus dem Umfeld der Betreiber ging der Entscheidung eine zeitintensive interne Überprüfung voraus. Dabei seien Sachverhalte zutage getreten, die, ganz nüchtern betrachtet, eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich machten. Die erhobenen Vorwürfe betreffen mögliche Tatbestände im Bereich der Untreue und Veruntreuung. Was das im Detail bedeutet, darüber schweigt man sich höflich aus. In der Gastro nennt man das dann wohl: Reden wir nicht drüber, aber es war offenbar nicht nix. Unabhängig davon gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Im Zentrum der Prüfung standen operative Abläufe sowie Fragen der internen Kontrolle – sensible Themen in einem Betrieb, der nicht nur für rustikale Tiroler Küche steht, sondern auch für einen der spektakulärsten Weinkeller der Alpen. Wo große Flaschen lagern, sind bekanntlich auch große Verantwortlichkeiten gefragt.

Wenn’s familiär wird, wird’s kompliziert

Besonders pikant und damit natürlich Gesprächsthema Nummer eins an den Stammtischen zwischen St. Anton und Wiener Innenstadt ist die familiäre Dimension des Falls. Neben dem nun gekündigten Geschäftsführer wurde auch dessen Vater, der ebenfalls im Betrieb tätig war, vorübergehend freigestellt. Öffentliche Vorwürfe gegen ihn gibt es keine, die Situation bleibt dennoch erklärungsbedürftig.

Der ehemalige Geschäftsführer widerspricht

Dem halten Alexander Pale und seine Rechtsvertretung entschieden entgegen. In einem auf Instagram veröffentlichten Statement weist Pale sämtliche Vorwürfe zurück und erklärt, dass ihm bis heute keine nachvollziehbare Grundlage für die Anschuldigungen vorgelegt worden sei. Sein Einsatz habe stets der Hospiz Alm gegolten, einem Betrieb, in dem er aufgewachsen sei und den sein Vater über Jahrzehnte mit aufgebaut habe.
Zum vielzitierten Weinkeller hält Pale fest, dass mehrere Personen Zugriff gehabt hätten und seine Vorschläge zur Digitalisierung sowie zu einer neuerlichen Inventur abgelehnt worden seien. Zudem sieht Pale auch finanziell Klärungsbedarf, eine vereinbarte Prämie sei trotz Zielerreichung nicht ausbezahlt worden. Weitere rechtliche Schritte schließt er nicht aus . Kurz gesagt, die Akte ist noch nicht zugeklappt.

Branche schaut genau hin

Fest steht: In einem Segment, in dem Vertrauen, Handschlagqualität und Diskretion als harte Währung gelten, bleibt eine solche Personalentscheidung nicht ohne Echo. Sie wird genau beobachtet, weit über den einzelnen Betrieb hinaus. Sie zeigt, dass selbst in den ehrwürdigsten Stuben der Haussegen gelegentlich schief hängt.

Für den laufenden Betrieb bedeutet das vor allem eines, nämlich Improvisieren auf hohem Niveau. Die vorübergehende Geschäftsführung wurde vorerst aus dem Eigentümerumfeld bestellt, konkret aus dem Soravia Konzern, zu dem der Betrieb gehört. Ziel sei es, den Gästen weiterhin das zu bieten, wofür die Alm seit Jahrzehnten steht, nur halt ohne Nebengeräusche.

Auch auf der Alm ist nicht immer Kaiserwetter, manchmal zieht halt ein Wetter auf, das man lieber im Tal gelassen hätte.