Der erste Bezirk ist kulinarisch dicht bespielt. Zwischen Traditionshäusern, Hotelrestaurants und neuen Konzepten trifft man hier auf sehr unterschiedliche Zugänge zum Essen – von klassischer Wiener Küche über internationale Einflüsse bis hin zu modernen Sharing- und Bistroformaten. Manche Lokale setzen auf große Geschichte und klare Rituale, andere auf zeitgemäße Karten, flexible Nutzung und ein breites Publikum. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, im Zentrum der Stadt mehr zu sein als bloße Verpflegung: Die Restaurants sind Treffpunkt, Anlass und Bühne zugleich.
Zum ersten Teil der Reihe geht es hier und zum dritten Teil hier.

Hemma
Landesgerichtsstraße 12, 1010 Wien

Im Hemma Scandinavian Feeling geht’s nicht um „Nordic“ als Deko-Idee, sondern um Küche mit klarem Konzept: skandinavische Klassiker, dazu eine Cocktailbar, die mit nordischen Spirituosen spielt. Serviert wird à la carte oder als Menü – aktuell auch als viergängige Variante –, mit Gerichten, die man in Wien nicht an jeder Ecke findet (Köttbullar gehören hier zum Fixprogramm, ebenso Fischgerichte). Das Setting: gemütlich, eher „Scandi-Feeling“ als Schickimicki, und genau damit trifft das Hemma einen Nerv – viele Gäste loben die freundliche, persönliche Betreuung, die entspannte Atmosphäre und die Drinks. Ein wiederkehrender Kritikpunkt in den Rückmeldungen: teils längere Wartezeiten, besonders wenn viel los ist. Unterm Strich ist das Hemma eine dieser Adressen, die 1010 (bzw. die Ecke beim Rathaus) kurz aus dem Wien-Klassik-Modus holen – und den Norden auf den Tisch bringen, ohne laut sein zu müssen.

Restaurant im Kunsthistorischem Musesum
Maria-Theresien-Platz 1, 1010 Wien

Im Café-Restaurant des Kunsthistorisches Museum steht nicht nur der Rahmen im Mittelpunkt, sondern auch die Karte. Sie bleibt bewusst klassisch und orientiert sich an der Wiener Kaffeehaustradition – kompakt, klar strukturiert und auf den Museumsbesuch abgestimmt. Für den schnellen Genuss zwischendurch finden sich Sacherwürstel mit Senf und Kren, Schinken-Käse-Toast oder pikante Würstelvarianten, wie man sie aus dem traditionellen Kaffeehaus kennt. Ergänzt wird das Angebot durch kleine warme Gerichte und saisonale Speisen, die sich als Pause zwischen zwei Ausstellungssälen ebenso eignen wie als ruhiger Ausklang.
Am Donnerstagabend wechselt das Haus den Ton: Beim „Dinner im Museum“ rückt ein mehrgängiges Menü in den Fokus, das klassisches Handwerk mit moderner Präsentation verbindet. Suppe, Hauptspeise und Dessert beim Fenster-Dinner, optional erweitert zum Fünf-Gang-Menü mit Champagner, zeigen, dass die Küche hier mehr kann als Kaffeehaus-Basics. Auch das Frühstücksangebot – an Wochenenden und Feiertagen – setzt auf bewährte Kombinationen und klare Abläufe, ohne ins Beliebige abzurutschen.
Insgesamt wirkt die Karte nicht überladen, sondern präzise gewählt. Sie versteht sich als Ergänzung zur Architektur und zur Sammlung: vertraut im Geschmack, verlässlich in der Ausführung – und genau deshalb passend für einen Ort, an dem Kunst und Kulinarik aufeinandertreffen.

Café Schwarzenberg
Landesgerichtsstraße 12, 1010 Wien

Im Café Schwarzenberg zeigt sich die Stärke vor allem auf der Karte. Sie liest sich wie ein konzentrierter Querschnitt durch die Wiener Küche – ohne Schnörkel, ohne Aktualisierungsdruck. Kalte Klassiker wie Beef Tatar oder norwegischer Räucherlachs stehen ebenso darauf wie klare Rindsuppe mit Frittaten oder Leberknödel. Zur Mittags- und Abendzeit dominieren Gerichte, die hier seit Jahrzehnten ihren Platz haben: Kalbsbutterschnitzel im Safterl mit Erdäpfelpüree, Fiakergulasch mit Würstel und Spiegelei, Tafelspitz mit Apfelkren oder das Wiener Schnitzel vom Kalb, kompromisslos klassisch serviert.
Auch fleischlose Optionen bleiben traditionell verankert – etwa Spinat-Käse-Strudel oder geröstete Knödel mit Ei. Die Mehlspeisenabteilung ist ein eigenes Kapitel: Apfel-, Topfen- oder Marillenstrudel, Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster, Palatschinken, Kardinalschnitte oder Sachertorte. Vieles kommt aus der eigenen Patisserie, sichtbar in der Vitrine, aus der gewählt wird, was gerade passt.
Getrunken wird entsprechend: Wiener Kaffeevariationen von der Melange bis zum Einspänner, dazu eine klassische Weinauswahl mit Fokus auf Österreich, ergänzt um Sekt und Champagner. Das Angebot wirkt nicht kuratiert, sondern gewachsen. Genau darin liegt der Reiz – die Karte will nicht überraschen, sondern bestätigen, warum dieses Haus seit über 160 Jahren funktioniert.

Wiener Rathauskeller
Rathausplatz 1, 1010 Wien

Im Restaurant des Wiener Rathauskeller bleibt die Karte bewusst bei dem, was hierhergehört. Wiener Küche bildet das Fundament, ergänzt um saisonale Akzente, die regelmäßig wechseln, ohne den Charakter des Hauses zu verwässern. Auf dem Menü stehen die Klassiker, die man an diesem Ort erwartet: Wiener Schnitzel, Tafelspitz, unterschiedliche Rostbraten-Variationen. Keine Spielereien, kein Zwang zur Neuerfindung – stattdessen solide Küche mit klarer Handschrift. Die monatlich wechselnde Saisonkarte bringt Abwechslung, orientiert sich an regionalen Zutaten und den Jahreszeiten, bleibt dabei aber stets im Rahmen der traditionellen Linie. Genau das macht den Reiz aus: eine Karte, die Verlässlichkeit bietet und trotzdem nicht stehen bleibt.

Il Bosso
Wollzeile 29, 1010 Wien

Im Il Bosso dreht sich alles um ein Produkt – und das mit bemerkenswerter Konsequenz. Als Focacceria und Tagesbar gedacht, rückt das Bistro auf der Wollzeile die italienische Focaccia ins Zentrum und denkt sie zeitgemäß weiter. Die Karte setzt auf hochwertige Zutaten aus Italien und ein Baukastenprinzip, das viel Spielraum lässt: klassisch belegt mit Caprese, Prosciutto oder Mortadella ebenso wie in kreativeren Varianten mit Pecorinocreme oder süßen Kombinationen rund um Pistaziencreme, Haselnuss, Peanutbutter oder Melone. Gegessen wird vor Ort, gerne zum Aperitivo schon am frühen Nachmittag, oder unkompliziert zum Mitnehmen. Il Bosso versteht sich weniger als klassisches Restaurant, sondern als moderner Treffpunkt für schnellen, aber sorgfältig gemachten italienischen Genuss – reduziert im Konzept, klar in der Idee und genau dadurch stimmig.

Patara
Petersplatz 1, 1010 Wien

Im Patara steht klassische thailändische Küche klar im Mittelpunkt – präzise gearbeitet, hochwertig eingekauft und bewusst ohne modische Abkürzungen. Die Karte spannt den Bogen von frischen Vorspeisen und aromatischen Salaten bis zu fein abgestimmten Hauptgerichten, bei denen Fisch, Fleisch und vegetarische Optionen gleichwertig nebeneinanderstehen. Gedämpfter Wolfsbarsch, würzige Currys oder sorgfältig gegrillte Fleischgerichte zeigen eine Küche, die auf Balance setzt: Schärfe, Säure und Süße greifen kontrolliert ineinander, ohne Effekthascherei. Besonderes Augenmerk liegt auf der Herkunft der Produkte – viele Zutaten stammen aus kontrolliertem Anbau, teils aus Fair-Trade-Quellen oder von österreichischen Biobetrieben. Patara versteht sich damit nicht als schnelle Thai-Adresse, sondern als Restaurant für konsequenten, eleganten Genuss, der Tradition respektiert und Qualität sichtbar macht – vom ersten Bissen bis zum letzten Gang.

Donnersmarkt
Parkring 16, 1010 Vienna

Im Donnersmarkt Restaurant wird alpine Küche zeitgemäß interpretiert, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Die Karte folgt einem klaren plant-forward-Ansatz: Gemüse aus regionaler und saisonaler Herkunft gibt den Ton an, Fleisch und Fisch treten bewusst als Ergänzung auf. Gerichte wie Rüben-Carpaccio, Lauch-Cannelloni mit Wintertrüffel oder Goldrübe mit Dashi zeigen, wie konsequent hier mit pflanzlichen Hauptdarstellern gearbeitet wird. Gleichzeitig finden sich klassische Ankerpunkte wie Wiener Schnitzel, glasierte Lammschulter oder Dry Aged Entrecôte, die das Angebot erden und auch traditionellen Geschmack abholen. Dazwischen spannt sich eine moderne Alpenküche, die Marktfrische, Produktfokus und feine Technik verbindet – ambitioniert, aber nicht verkopft. Eine Karte, die bewusst Kontraste zulässt und genau darin ihre Stärke findet.

ZentRuhm
Schreyvogelgasse 4, 1010 Wien

Im ZentRuhm steht „Sharing“ nicht als Marketingwort auf der Website, sondern als roter Faden auf dem Teller: Internationale Fusionsküche, die in kleinen Portionen in die Tischmitte kommt – zum Durchkosten statt Durchentscheiden. Auf der Karte treffen Tostadas, Tempura, Kushiyaki-Spieße und Mini-Pizzen auf eine solide Wein- und Cocktailauswahl; das Ganze in modernem, unkompliziertem Setting mitten im ersten Bezirk.
Auch beim Brunch bleibt das Konzept konsequent: bestellt wird am Tisch, gekocht wird frisch, serviert wird am Platz – inklusive Free-Flow-Drinks. Wer’s als Anlass mag, bekommt mit dem Valentinsbrunch bzw. dem Valentinstagsmenü gleich das passende Format dazu: vom Ceviche/Tataki-Doppelschlag über Sushi-Rollen bis zum Surf-&-Turf-Finale mit Trüffel-Teriyaki und Trüffel-Pommes. Kurz: ein Lokal für Runden, die gern teilen – Essen, Zeit und ein bisschen „Probier auch mal das da“.

1870 – Restaurant Terrace Lounge
Kärntner Ring 9, 1010 Wien

Im 1870 – Restaurant Terrace Lounge wird klassische Wiener Grandezza nicht konserviert, sondern weitergedacht. Hoch oben im siebten Stock trifft elegantes Hotelambiente auf ein kulinarisches Konzept, das bewusst über Kontinente hinweg denkt. „ÖKKEI“ heißt der Ansatz – eine Küche, die europäische Basis, asiatische Präzision und südamerikanische Aromen zusammenführt, ohne sich in Effekten zu verlieren.
Auch die Karte folgt dieser Idee konsequent. Vertraute Produkte werden neu gelesen: Saibling erscheint als Ceviche mit Kokos und Andenbeere, Karotten kommen als Tinga mit Bohnen und Spitzkraut, und selbst das Wiener Schnitzel wird als Tonkatsu-Interpretation in einen anderen Kontext gesetzt. Das ist Fine Dining mit Anspruch, aber ohne steife Distanz – regional verankert, international gedacht. Wer hier isst, bekommt keine klassische Abfolge von Gängen serviert, sondern eine kulinarische Erzählung, die zeigt, wie zeitgemäß Luxushotellerie heute schmecken kann.

Go! Wien
Fleischmarkt 1a, 1010 Wien

Im Go!Wien wird „The Taste of Vienna“ als urbanes Gesamtkonzept verkauft: klassische Wiener Küche, ein bisschen zeitgenössisch geschniegelt, dazu Event-Schiene (Candle-Light-Dinner, Tastingmenüs) und Hotel-Backbone im Hintergrund. Das Haus positioniert sich als Ort, an dem „Tradition und Moderne“ aufeinandertreffen sollen – mal als gemütliche Innenstadt-Adresse, mal als Bühne für Pakete und Erlebnisformate.
Auf der Karte zeigt sich dieser Spagat ziemlich deutlich: Neben Wiener Fixsternen wie Wiener Schnitzel vom heimischen Kalb mit Petersilienkartoffeln (31,90 €) und geschmorter Rinderbacke mit Selleriepüree und Jus (32,90 €) stehen Gerichte, die bewusst Richtung „Fusion“ schielen – etwa ein Beef Rendang Curry mit Nori-Chip (25,90 €) oder die vegetarische Variante mit Kokos und Tofu (23,90 €). Dazwischen: City-Food für alle, die es unkompliziert mögen – Signature Cheeseburger (21,90 €), Club Sandwich (21,90 €) und BBQ Spare Ribs (26,90 €). Bei den Vorspeisen wird’s verspielt: eine ofenfrische Pilz-Tartelette mit Steinpilzmayonnaise (15,90 €) oder ein Beef Tatar vom Weiderind mit Sriracha-Mayonnaise und gebeiztem Dotter (21,90 €). Süß endet der Abend wahlweise mit Kipferlschmarrn samt Passionsfruchteis (12,90 €) oder Brownie mit Tonkabohnen-Eis (11,90 €).












