Acht Jahre nachdem sich Mauro und Iepke als Barista im Jonas Reindl kennengelernt haben, eröffnen sie nun ihr eigenes Café. Im Café Pelargonia möchten die beiden Specialty Coffee mit Käse, Brot und viel Handarbeit kombinieren. Das Ergebnis ist ein sehr persönlicher Ort, der noch im Entstehen ist.
Dass Mauro und Iepke einmal gemeinsam ein Café in Wien führen würden, war bei ihrem ersten Treffen kaum absehbar, aber damals schon ein Traum. Kennengelernt haben sich die beiden vor acht Jahren im Jonas Reindl, damals beide noch nicht wirklich in Wien verwurzelt: Mauro stammt aus Warschau, Iepke aus Amsterdam. Sie war für ihr Studium in der Stadt, er arbeitete bereits hier. Später zog das Paar gemeinsam in die Niederlande, bevor es sie wieder zurück nach Wien verschlug. „Für uns beide war Wien ein gemeinsamer Boden“, erzählt Iepke.

Wir kommen nicht von hier, aber die Stadt hat sich für uns beide richtig angefühlt.
Ein Café als langjähriger Traum
Vor allem für Mauro ist das Café Pelargonia die Verwirklichung eines lange gehegten Plans. Rund 15 Jahre Erfahrung in Gastronomie und Kaffee bringt er mit, auch Iepke arbeitete während ihres Studiums immer wieder als Barista. Die Idee eines eigenen Lokals begleitete Mauro schon lange und schließlich spielte ihm der Zufall in die Hände.

An der Tür der früheren brasilianischen Bar hing lediglich ein Zettel, dass eine Nachfolge gesucht wurde. Online war das Lokal noch gar nicht inseriert. Behutsam holte das Paar das alte Wiener Original, in dem das Rauchverbot einst eher großzügig ausgelegt wurde und die Fliesen langsam von den Wänden bröckelten, in die Gegenwart. Am 14. September öffnete es als Café Pelargonia neu seine Türen.
Vieles selbst gemacht
Auch der Umbau trägt die Handschrift der beiden. Mauro renovierte monatelang selbst, baute unter anderem die Bar und zahlreiche Rahmen. Vieles im Café ist gebraucht oder wiederverwendet. Tische und Sessel stammen teilweise von der unmittelbaren Nachbarschaft.
Wir mögen Secondhand nicht nur aus Budgetgründen. Uns ist wichtig, möglichst zirkulär und nachhaltig zu arbeiten,
erzählt Iepke.

Während der Arbeiten entstand bereits jene Nachbarschaft, die heute Teil des Cafés ist. Ein Nachbar lieh Mauro eine Leiter, jemand aus dem benachbarten Plattenladen half beim Streichen und Fliesen.
Noch bevor wir eröffnet hatten, kannten wir gefühlt schon die ganze Gegend,
sagt Iepke.
Käse statt Kuchen
Kulinarisch beginnt das Café Pelargonia mit der Basis: Im Zentrum steht Specialty Coffee. Neben einem fixen Espresso sollen wechselnde Bohnen und Filterkaffees Platz für unterschiedliche Röstereien und Geschmacksprofile bieten. Wo möglich, möchten Mauro und Iepke regional einkaufen. Dass Kaffee selbst nicht in Österreich wächst, heißt für Mauro nicht, dass die Wertschöpfung nicht trotzdem möglichst nahe stattfinden kann: Geröstet werden soll bevorzugt bei heimischen Röstereien und mit diesen ist bereits gut vernetzt.

Ungewöhnlicher wird es bei den Speisen. Statt Kaffee automatisch mit Croissant und Kuchen zu kombinieren, soll Käse eine Hauptrolle spielen. Mauro experimentiert mit Coffee-Cheese-Pairings: Schokoladige, eher klassische Kaffees könnten etwa mit milderen oder süßlicheren Milchprodukten harmonieren, fruchtige und säurebetonte Kaffees dagegen mit salzigeren Käsesorten. „Kaffee kann schon von sich aus süß sein“, sagt Iepke. „Deshalb wollen wir dazu stärker mit herzhaften Dingen arbeiten.“
Die drei ursprünglichen Säulen des Businesskonzepts sind entsprechend schlicht: Kaffee, Brot und Milchprodukte. Künftig möchte Mauro auch selbst backen und das Angebot eventuell um kleine warme Gerichte erweitern. Als gebürtiger Pole denkt er dabei etwa an kräftige Suppen, Brot und Käse. Doch das Café soll Schritt für Schritt wachsen. „Wir lernen, während wir es machen“, sagt Mauro. Und die Nachfrage der Gäste wird auch mitentscheiden, wie es weitergeht. Apropos Nachfrage: Fragt Mauro nach der Entstehung des Namens „Pelargonia“, dann bekommt ihr eine nette Geschichte über Störche, griechische Mythologie und Blumensamen zu hören.
Margaretenstraße 125, 1050 Wien
Soft Opening, Mo-Fr 8-16 Uhr
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