Swing Kitchen: Aus der Erfolgsgeschichte in die Insolvenz

Ina Dieringer

Vegane und nachhaltige Burger in der Swing Kitchen ©Swing Kitchen

In der Gastroszene Wiens häufen sich Insolvenzen – von Traditionshäusern bis zu ambitionierten Neugründungen, von Fine-Dining bis Fast Food. Hinter der glänzenden Fassade der Wiener Kulinarik wird spürbar, wie eng die wirtschaftlichen Spielräume geworden sind. Steigende Kosten, vorsichtigerer Konsum und ein Finanzierungsumfeld, das deutlich härter geworden ist, lassen selbst etablierte Marken ins Straucheln geraten. Mit Swing Kitchen erwischt es nun jene Kette, die einst als Symbol für Aufbruch und Modernität galt.

Die Sanierung der veganen Burgerkette ist gescheitert. Was vor wenigen Wochen noch nach einer Rettung aussah, endete abrupt, als die Gesellschafter die für die Fortführung benötigten Mittel kurzfristig zurückzogen. Für die gesamte Gruppe mussten Insolvenzanträge gestellt werden – rund 130 Mitarbeitende sind betroffen, alle sieben österreichischen Standorte stehen unter Insolvenzverwaltung. Die Franchise-Filialen, darunter zwei in Wien und eine in Bern, bleiben vorerst geöffnet. Für alle anderen entscheidet nun das Gericht, ob weitergeführt, verkauft oder geschlossen wird.

Veganer Burger ©Swing Kitchen

Dass die Geschichte von Swing Kitchen nun an diesem Punkt steht, ist umso bemerkenswerter, wenn man den langen Weg bedenkt, der sie dorthin geführt hat. Er beginnt nicht in einem hippen Berliner Kiez oder in einer Wiener Innenstadtlage, sondern in Großmugl, einem kleinen Ort nördlich von Wien. Dort führte die Familie Schillinger seit mehr als zwei Jahrhunderten ein Landgasthaus, in dem es klassische österreichische Küche gab: Schnitzel, Schweinsbraten, Mehlspeisen. Es war das kulinarische Fundament, auf dem Charly Schillinger aufwuchs – bis zu dem Tag, an dem er als junger Wirt im Stall stand und ein Schwein nicht schlachten konnte. Diese persönliche Entscheidung, ein Tier anzusehen und sich gegen die Konsequenz zu entscheiden, führte die Familie über Nacht zum Vegetarismus – und das Gasthaus zu einem radikalen Kurswechsel.

Mit Irene, die schon in den Neunzigerjahren vegane Cordon Bleus entwickelte, kam die kreative Kraft hinzu, die aus der persönlichen Überzeugung ein gastronomisches Konzept machte. Die ersten veganen Gerichte im Gasthaus Schillinger waren mutige Schritte in einer Zeit, in der pflanzliche Küche noch ein Randphänomen war. Doch der Erfolg stellte sich ein – und mit ihm die Idee, veganes Essen aus der Nische zu holen. Die beiden wurden zu Pionieren, die vegane Hausmannskost und internationale Klassiker auf einer Karte vereinten, lange bevor der Begriff „Plant-Based“ in Lifestyle-Magazinen auftauchte.

Der große Sprung gelang mit Schillinger’s Swing Kitchen – ein urbanes Fast-Food-Konzept im Look der 60er, das bewusst nicht nur Veganer*innen ansprach. Tatsächlich bestand der Großteil der Gäste aus Menschen, die einfach gutes Essen wollten. Wien wurde zur Ausgangsbasis einer Expansion nach Graz, Innsbruck, München, Berlin und Bern. Binnen weniger Jahre wuchs die Kette zur „ersten veganen Burgerkette der Welt“ heran. Doch Expansion ist ein empfindliches Gleichgewicht. Ende 2024 stiegen die Gründer aus dem Unternehmen aus, und spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde spürbar, wie viel von Swing Kitchen mit ihrer Präsenz verbunden war.

Nun also die Insolvenz – und sie kommt nicht isoliert. Die Gastronomie in Wien steht derzeit an einem Wendepunkt, der weit über einzelne Betriebe hinausreicht. Viele Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit denselben Herausforderungen: höhere Mieten, teure Lebensmittel, Personalmangel, Finanzierungslücken. Während der Pandemie entstandene Schulden treffen auf eine Zeit, in der Gäste zwar gerne ausgehen, aber genauer überlegen, wofür sie zahlen wollen. Luxuriöse Angebote funktionieren, ebenso authentische, kleine Konzepte – das breite Mittelfeld gerät unter Druck.