Restaurantkritik: Was kann der Chuan wirklich?

Marko Locatin

Sichuan Klassiker: Pochiertes Rindfleisch. Bild: Marko Locatin

Der elegante Nobel-Chinese in der Himmelpfortgasse fristete lange ein Schattendasein. Seit einiger Zeit jedoch ist er auffallend gut besucht. Woran das liegt, hat Genuss-Autor Marko Locatin vor Ort in Erfahrung gebracht.

Der Standort

Die Ecke beim Ronacher, eine gute Adresse, fiel im Laufe der Jahre durch unterschiedliche gastronomische Angebote auf. Vor Jahren etwa das Sinohouse (große Empfehlung, dazu noch etwas später) mit den Gastgebern Fang (im Service) und Jin (im Service und am Gast). Seit 2018 wird in der Himmelpfortgasse pan-asiatisch gekocht. Lange war in dem eleganten, weitläufigen Restaurant nicht allzu viel los, in letzter Zeit hat sich das jedoch geändert. Zeit für einen Lokalaugenschein.

Speis & Trank

Wir starten mit knackigem Gurkensalat mit Knoblauch. Klingt simpel, ist es auch, wenn man wie hier Feldgurken einsetzt und den Knoblauch so exakt zu dosieren vermag. “Pikant-säuerliche Suppe nach Sichuan Art”, oft eine undefinierbare opake klebrige Flüssigkeit, wird hier in einer erfreulich feinen Version serviert (6,80€). “Rindskutteln, Zunge und Wadschinken in haus-gemachtem Chili Öl” spielt mit jenen typischen Chili & Pfeffer Aromen, die die Sichuan-Küche so beliebt macht – Achtung:
die Portion reicht für zwei.

Hausgemachte Dim-Sum. Bild: Marko Locatin

Dim-Sum (3 Stk./7,90€) und Dumpings (4STk./7,20€) – selbstverständlich hausgemacht – geraten hier zart, doch mit Biss. Hier lohnt sich ein Durchkosten. Rasch zu den Hauptspeisen: Mapo-Tofu kommt leider allzu brav (14,20€); überzeugend hingegen gelingen Sichuan-Klassiker in Chili & Pfeffer mariniertem Öl, etwa pochiertes Rindfleisch (24,80€); wie auch “Schweinedarm „Gan Guo“, im heißen Steintopf gegarter Schweinedarm mit Gemüse (18,50€) oder Schweinebauch aus dem Wok (20,80€).

Schweinebauch aus dem Wok. Bild: Marko Locatin

Im Vergleich zur Weinkarte, ist die Auswahl an anderen Getränken reichlich. Hausgemachte Limos, einige Tees (Oolong!), hopfiges Bier von Trumer, Zwickel von Obertrumer, Cocktails, Gin und einige (wenige!) Sake.

Fazit

Weitläufig, elegant, ohne Kitsch gestalteter Pan-Asiate mit einem Portfolio von Sushi bis Sichuan- Letzteren gilt, wie den grundsätzlich milderen Gerichten der kantonesischen Küche (pochierter Fisch!) meine spezielle Empfehlung. Scharfe Gerichte sind scharf und entsprechend gekennzeichnet. Schließlich stammt der Koch aus Sichuan, wie uns ein Servicemitarbeiter bestätigt. Der Service ist aufmerksam, auch Sonderwünsche werden promt erfüllt. in Sachen Wein bleibt Luft nach oben.

Tipp: Für Freunde der Peking-Ente hingegen ist das großartige Sinohouse an der Nußdorfer Straße die Top-Adresse. Mit einer ebensolchen Weinkarte (Schwerpunkt: Barolo, Bordeaux).
www.sinohouse.at


CHUAN 川
Contemporary Chinese Cuisine 当代中餐

Himmelpfortgasse 27,
1010 Wien
Täglich: 12.00 – 23.00
www.chuan.at