Restaurantkritik: Am Wasser – Hotel Seefischer, Millstätter See

Marko Locatin

Restaurant im Hotel Seefischer: Rosa gebratene Taube auf Püree mit Demi Glace. Bild: Marko Locatin

An einer pittoresken Bucht am See führen Elisabeth und Michael Berndl “das erste Hotel in dem Du NICHTS erlebst”. Genuss-Autor Locatin hat Champagner getrunken, das Restaurant getestet und EINIGES erlebt.

Der Standort

An einer unverbauten Bucht mit Weitblick, am hoteleigenem Strand mit Yachthafen, schweift unser Blick über den stillen, funkelnden See. Der Herbst zieht ins Land, links und rechts sind gerade einmal einige wenige Häuser auszumachen. Wer hier wohnt, hat im Leben wohl Glück gehabt. Dem Vernehmen nach logieren hier ein Ex-Kanzler, ein Bau-Tycoon, einige in Wien einst erfolgreiche Gastronomen, eine Edelfeder (verzeih lieber A.) mit Hang zum Genuss und einige Glückliche mehr. Glück ist es auch, was Elisabeth und Michael Berndl ihren Gästen vermitteln wollen.

Abendstimmung am Millstätter See. Bild: Marko Locatin

Die enorme Anziehung des Sees, die Bergwelt, die mystische Kraftlinie, die genau durch unseren Ort führt – all das ist da. Wir bieten unseren Gästen als erstes Hotel in Österreich dazu nun unterschiedliche Möglichkeiten an, die Besonderheit des NICHTS zu erleben.

Elisabeth und Michael Berndl

Es dreht sich, so die Gastgeber, um entspannten Genuss. Und das Nichts. Wobei das Nichts für weniger steht. Weniger Lärm, weniger Stress. Mehr Körper – man kann Kaltbaden und sanftes Yoga lernen, ein Kundiger verrät Atemtechniken und einiges mehr. Doch wir widmen uns ja dem Genuss hier.

Speis & Trank

Guter Start: Nach der Anreise aus dem fernen Wien wird uns ein Glas Champagner offeriert. Aus der Magnum, eine spezielle Abfüllung, wie uns Hausherr Michael Berndl erklärt. Ein Mann, der übrigens einen beeindruckenden Weinkeller pflegt. Doch dazu kommen wir gleich.

Einen Campus in Ehren…Bild: Marko Locatin

Einige geben sich dem Kaltbaden hin, doch der leicht erschöpfte Autor dieser Zeilen checkt erst einmal ein. Alsdann er sich wirft in den kuscheligen hauseigenen Bademantel und gelangt durch einen Gang direkt vom Zimmer an sein Ziel: Die Sauna, eine putzige Holzhütte, umrahmt von einem Steg, von dem der Ausblick schlicht: beeindruckend ist. Es folgt ein Sprung ins kühle Nass, ein wenig Ruhe und – fast wäre ich eingenickt. Muss wohl dieses NICHTS sein.

Kraftsuppe vom Steinpilz. Bild: Marko Locatin

Schwimmen macht hungrig, sagt man. Und: es stimmt. Im Hotelrestaurant ist hübsch fürs Dinner eingedeckt. Das Personal hier ist professionell, freundlich, doch nie aufdringlich. Unscheinbar mag die Seinpilz-Consommé wirken, erweist sich als echte Kraftbrühe.

Es folgt ein Täubchen auf feinem Püree, mit welchem sich eine schulmäßig mollige Demi-Glace standesgemäß aufzutunken empfiehlt. Okay, es ist schon ein wenig viel am Teller los, doch Qualität und Handwerk (Garpunkt!) passen.

Rehrücken mit Spargel. Bild: Marko Locatin

Wie auch beim nächsten Gang. Wild, ein Rehrücken aus eigener Jagd. Auch nicht NICHTS. Alles fein hier. Wie auch das abschließende Dessert.

Übernachtungs-Tipp: Das 4-Sterne Plus Hotel Seefischer glänzt mit hauseigenem Strand, Gourmet-Menüs, hochwertigem Spa sowie beeindruckender Aussicht. Nachhaltig beeindruckt hat den Autor die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Gastgeber. Das Konzept des NICHTS hat seinen Reiz. In der Bibliothek finden sich übrigens 100 Bücher zum Thema. Ein Beispiel, dass es hier um das gesamte Bild geht. Eine Empfehlung gilt den zahlreichen Aktivitäten rund ums Hotel. Man kann etwa auf die Pirsch gehen oder mit dem Boot am frühen Morgen über den See gleiten. It’s a Kind of magic. Außerdem ist die Region für naturnahe Golfplätze bekannt.


Weitere Infos: www.seefischer.at

Das Fazit

Aufmerksame Gastgeber, feine Gourmet-Menüs – Küchenchef Jürgen Moldaschl erkochte 3 Gabeln (Falstaff) sowie 2 Hauben (Gault Millau). Handwerk und Qualität stimmen, machmal wünschte man sich etwas weniger Komponenten am Teller.

Die Tipps

Der Lindenhof: In Millstatt betreiben die Berndls den gutbürgerlichen “Lindenhof.” Das sämige Kalbsrahmbeuscherl kam mit einer Schnitte Polenta und einem satt grünen Kohlsprösschen an den Tisch. Hübsches Gericht.

Einige Flaschen aus Bernds Weinkeller. Bild: Marko Locatin


Der Weinkeller: Im gleichen historischen Ensemble wie der Lindenhof liegen auch die “Heiligen Hallen”, so Berndl augenzwinkernd. Der Weinkeller nämlich. Die Kredenzen am Bild sprechen wohl für sich – meine ist der Volnay. Dieser hervorragende Burgunder hat es übrigens nicht bis nach Wien geschafft, doch das ist eine andere Geschichte. Die Bernds veranstalten regelmäßig hochwertige Weinverkostungen.

Tipp: Weiters dürfte, nach Aussage von Anrainer und Kollegenschaft, die Pizzeria Ristorante Peppino einen ausgiebigen Besuch sein. Hauptattraktion sind mehr große Gewächse Pizzen.

Pizzeria Peppino
Seemühlgasse 57
9872 Millstatt
Mi-Sa: 12.30 – 23.00
www.pizzeria.peppino.at