Im Mai hat in der Heinestraße das Café Chaos eröffnet. Die Gründerinnen Elena und Hanna wollen hier mehr als Kaffee und Sandwiches servieren: Gemeinsam mit Nadine schaffen sie Platz für Kunst, Community und queerfeministisches Chaos.
GastroNews zur bevorzugten Google-Quelle machenIm Mai hat das Chaos eine Adresse bekommen: In der Heinestraße in der Wiener Leopoldstadt haben Elena und Hanna das Café Chaos eröffnet und dafür die 161Chaos OG gegründet. Mit ihrer Freundin und Angestellten Nadine bilden sie das Trio hinter dem Lokal. Alle drei sind Künstlerinnen: Hanna kommt aus darstellender Kunst und Musik, Elena und Nadine aus der bildenden Kunst. Als klassische Gastronominnen verstehen sie sich trotzdem nicht. „Wir sind keine Gastronominnen und wollen das nicht sein – eher sind wir Wirtinnen.“

Chaos als Haltung
Die Idee zum eigenen Lokal entstand aus Unzufriedenheit mit der klassischen Arbeitswelt. „Wir haben bemerkt, dass wir an einem Punkt stehen, wo wir nicht mehr in dem Sinne lohnarbeiten wollten, weil die moralischen Zustände und Werte bei vielen Arbeitgeber*innen fehlen.“ Stattdessen wollten Elena und Hanna selbst einen Raum schaffen, „der es irgendwie besser macht“ – mit Platz für Queerfeminismus, Kunst und Kultur und vor allem für Begegnung. „Wir wollen mehr als ein Café sein, wir wollen eine Community aufbauen. Das ist uns wichtig, vor allem in Zeiten wie diesen, wo Faschismus wieder salonfähig ist.“
Dass dieser Ort ausgerechnet Chaos heißt, ist dabei kein Zufall. Mehrere Namen standen zur Wahl, doch dieser fühlte sich für die beiden am authentischsten an. Er bezieht sich auf ihren Charakter und ihr „künstlerisches, kreatives Chaos“, hat aber auch eine gesellschaftspolitische Ebene. Ihr Konzept entspreche bewusst nicht der Norm und sei ihre „ironische Antwort auf eine patriarchale Leistungsgesellschaft im Postkapitalismus“. Oder noch deutlicher: „Wenn das herrschende System die Norm, die Ordnung darstellt, sind wir gerne anders, da sind wir gerne pures queerfeministisches Chaos.“ Chaos ist für sie dabei nichts Negatives. „Chaos ist emotional und emotional ist gut. Chaos ist aktiv, nicht passiv. Es agiert und stagniert nicht. Es schafft Veränderung und Neues.“

Käsetoast statt Konventionen
Kulinarisch ist das Chaos ziemlich durchdacht. Das Küchenkonzept stammt von Elena, ihre Grundhaltung: saisonales, frisches Essen und gute Zutaten. Die Küche ist hauptsächlich vegan und vegetarisch, etwas Fisch gibt es ebenfalls, Fleisch gar nicht. Geschmacklich geht es in eine mediterran-orientalische Richtung, während bei den wöchentlichen Specials alles Mögliche auf der Karte landen kann. Fix gibt es derzeit Antipastiplatten und warme Sandwiches mit Hauptspeisencharakter, außerdem Brote und selbst gebackene Kuchen. Bei den Süßspeisen achten sie darauf, möglichst immer eine vegane Variante anzubieten, die Karte wird saisonal angepasst. Besonders stolz sind sie auf einen vermeintlich simplen Klassiker: „Unser Käsetoast ist einzigartig und, ohne angeben zu wollen, einer der besten in Wien.“
Für die Bar sind Hanna und Nadine zuständig. Neben Bio-Kaffee und Matcha Latte – pur, mit Agavendicksaft, Mango oder Erdbeere – gibt es eigene Chaos Signature Drinks und immer wieder neue Cocktail- und Longdrink-Kreationen. Die beiden lassen sich dabei auch vom Geschmack ihrer Gäste inspirieren und mixen individuell. Einer der Favoriten ist der „Matchamuschka“, „herrlich erfrischend und macht wach“. Vom Fass kommt Obertrumer Märzen – „super gschmackig und keine Brauunion“. Wer zum ersten Mal vorbeikommt, soll sich auf „eine offene, bunte Atmosphäre mit viel Kunst und guter Musik“ freuen. Und sollte der Hunger kommen, empfehlen die drei ihre Sandwiches: „Da gibt’s für jeden was, von vegan bis Fisch.“

Mehr als ein Café
Denn ums Konsumieren allein soll es im Café Chaos nicht gehen. Das Lokal mit Loft-Charakter, Kunst an den Wänden und Schanigarten soll zugleich Treffpunkt, Veranstaltungsort und Safespace sein. „Uns ist es wichtig, einen Wohlfühlort und Safespace zu schaffen für alle Menschen, denen es in Wien an solchen Plätzen fehlt.“ Weil alle drei selbst Künstlerinnen sind, nutzen sie den Raum einerseits für ihre eigene Kunst, wollen ihn andererseits aber auch anderen zur Verfügung stellen.
Was darunter alles fallen kann, zeigt sich bereits wenige Monate nach der Eröffnung: Einen Outdoor-Rave und ein Wohnzimmerkonzert gab es ebenso wie Nadines Kunstworkshop „From Trash to Treasure“ und einen kleinen Flohmarkt mit kostenlosen Verkaufsständen. Am 27. September steht eine Albumveröffentlichung samt Buchlesung einer Künstlerin an, auch eine Drag-Show ist bereits in Planung. Ein fixes Schema braucht es dafür nicht. „Es passiert also alles Mögliche bei uns, weil alles möglich ist“, sagen die drei. „Wir freuen uns voll auf alles, was da noch so auf uns zukommen wird.“
MI bis SO, 12:00-22:00 Uhr
Heinestraße 30, 1020 Wien
Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden












