Neueröffnung Lyv Café: Zurück zur Natur

Ina Dieringer

Dass Longevity im Lyv Café nicht als modisches Schlagwort daherkommt, sondern als ziemlich persönliche Angelegenheit, hat mit der Geschichte von Michaela Loredana zu tun – und die beginnt weit entfernt vom 6. Bezirk, aber führt ziemlich konsequent dorthin. Als Kind war sie ständig krank, verbrachte viel Zeit im Krankenhaus, wurde mehrfach fehldiagnostiziert und medikamentös eingestellt. Die Wende kam nicht durch neue Befunde, sondern durch einen Satz ihrer Großmutter: Du bist kein krankes Kind.

Statt weiterer Tabletten gab es Kräutertee. Den ganzen Sommer lang. Aus dem eigenen Garten. Nach und nach wurden die Medikamente abgesetzt, und irgendwann war Michaela schlicht gesund. Davor alle zwei Wochen krank, danach gar nicht mehr. Kein Wunder also, dass das Vertrauen in die Natur geblieben ist – und Jahre später zum Fundament ihres Cafés wurde.

Nach Ausbildungen in Traditioneller Chinesischer Medizin, Ernährungswissenschaften und psychologischen Bereichen begann sie, sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen, wie Gesundheit im Alltag funktionieren kann, ohne dogmatisch zu werden. In den vergangenen zwei Jahren wurde getestet, gemixt, verworfen und neu gedacht – mit dem Ziel, Drinks zu entwickeln, die nicht nur gut aussehen, sondern auch einen Zweck erfüllen. Mit dem Lyv Café hat Michaela Loredana diesen Ort nun im 6. Bezirk gefunden.

Ich wollte einen Ort in Wien schaffen, an dem Genuss und Gesundheit zusammengehen.

(c) Michaela Loredana

Longevity, aber bitte ohne Predigt

Der Name Lyv klingt nach life your life und spielt gleichzeitig auf Longevity an – also auf die Idee, nicht einfach länger, sondern besser zu leben. In Wien ist das noch eher ein Nischenthema, meint Michaela, eines, das aber erstaunlich gut angenommen wird. Das Publikum ist gemischt, auffallend viele Ärzt:innen zählen zu den Stammgästen, also Menschen, die sich beruflich ohnehin mit dem Thema beschäftigen.

Auf der Karte finden sich funktionale Drinks, Matcha in unterschiedlichen Varianten und kleine Gerichte, die gezielt auf Darmgesundheit setzen. Michaelas persönlicher Favorit ist eine Platte, die viel kann: Ein frischer Aufstrich aus Paprika und Hanf, ein probiotischer Avocadoaufstrich, Miso-Hummus mit roter Rübe, dazu Eier und Rucola, wegen der Bitterstoffe.

(c) Michaela Loredana

Die eigentliche Frage

Im Lyv geht es nicht darum, alles richtig zu machen. Michaela interessiert etwas anderes. Sie fragt ihre Gäste nicht, was sie bestellen wollen, sondern manchmal schlicht: Wie fühlst du dich – und wie willst du dich fühlen? Vielleicht liegt genau darin der Reiz dieses Cafés: Es will niemanden belehren, sondern Raum schaffen. Für Genuss. Für Aufmerksamkeit. Und für die Möglichkeit, sich selbst wieder ein bisschen ernster zu nehmen.

Eggerthgasse 8, 1060 Wien
Mo-Do: 12-18 Uhr I Fr-Sa: 10-18 Uhr