Maison Le Ciel: Ein Ort ohne Eile

Ina Dieringer

(c) Maison Le Ciel

Maison Le Ciel ist kein Ort, der laut um Aufmerksamkeit buhlt. Wer hereinkommt, merkt ziemlich schnell, dass es hier nicht um To-do-Listen, Laptops oder schnelle Koffeinzufuhr geht. Sondern um etwas anderes. Um Ruhe. Um Atmosphäre. Um das Gefühl, kurz aus dem Alltag auszusteigen. Hinter diesem Raum steht Julia Mveto, 31, und eine Idee, die sehr persönlich beginnt.

Der Name stammt aus dem Französischen – Julias zweiter Muttersprache – und bedeutet „Haus des Himmels“. Für sie steht er aber vor allem für endlose Möglichkeiten. Der Himmel verändert sich ständig, jede Sekunde sieht er anders aus. Mal Sonne, mal Wolken, mal Regen.

Das hat mir in einer Zeit geholfen, in der es mir mental nicht so gut ging. Der Blick nach oben als Erinnerung daran, dass nichts festgeschrieben ist – und dass alles sein darf, ohne sich dafür zu schämen.

(c) Maison Le Ciel

Der Wunsch, so einen Raum zu schaffen, ist kein spontaner Einfall. „Als Kind wollte ich immer schon so etwas haben“, sagt Julia. Mit ihren Geschwistern baute sie sich Fantasieorte, kleine Cafés, Rückzugsräume. Jahre später wurde daraus ein konkreter Gedanke – genährt von Reisen, Eindrücken und viel Beobachtung. Besonders Tokio und Kopenhagen findet sie inspirierend. Letztere Stadt so sehr, dass Julia vergangenes Jahr gleich vier Monate dort verbrachte, um sich Interior-, Gastro- und Cafékonzepte anzusehen. Parallel fand sie auf Willhaben schließlich einen Raum. Keine Schönheit, eher eine klassische Bruchbude. Julia schickte ihre beste Freundin zur Besichtigung. Deren Urteil: “Du kannst sicher was Cooles daraus machen. ” Das reichte.

(c) Maison Le Ciel

Teehaus, Café und Keramik

Heute ist von der Bruchbude nichts mehr zu sehen. Maison Le Ciel ist eine Mischung aus Teehaus, Café und Keramikraum, bewusst reduziert, bewusst ruhig. Von der Straße hört man drinnen nichts. Kein Verkehr, kein Stadtlärm. Auch Laptops haben hier keinen Platz. „Man soll hier nicht arbeiten, sondern bei sich sein“, sagt Julia.

Matcha spielt dabei eine zentrale Rolle – und das schon lange, bevor er in Wien zum Trend wurde. „Ich trinke Matcha seit Jahren“, erzählt sie. Die Betreiber:innen von Misa im Siebten bezeichnet sie lachend als ihre „Matcha-Eltern“. Qualität und Zubereitung sind hier wichtiger als jede Inszenierung. Ab März kommt Kaffee dazu – allerdings nur Filterkaffee. Kein Siebträger, keine Latte-Art-Show. Die Gäste fragen danach, und Julia orientiert sich erneut an Kopenhagen, etwa an der Bäckerei Juno, die ausschließlich Gebäck und Filterkaffee anbietet.

(c) Maison Le Ciel

Dass Maison Le Ciel ein wandelndes Konzept ist, zeigt sich auch abseits der Karte. Einmal im Monat wird der Raum anders genutzt: Dann gibt es Musikabende, zuletzt eine Jazz Night, als Nächstes eine RnB Night. Keramik ist dabei genauso Teil des Konzepts wie Tee, Matcha oder Musik. Alles greift ineinander, nichts steht für sich allein. Maison Le Ciel will nichts erklären und niemanden verbessern. Es geht nicht um Selbstoptimierung oder Trends, sondern um einen Ort, der erlaubt, kurz stehen zu bleiben. Vielleicht funktioniert das Café genau deshalb so gut. Weil es nichts verspricht, sondern einfach da ist. So wie der Himmel, der sich ständig verändert und trotzdem bleibt. Und weil es am Ende etwas anbietet, das selten geworden ist: Zeit, Ruhe und die Möglichkeit, kurz bei sich selbst anzukommen.

Margaretenstraße 8, 1040 Wien
Di-Sa 10:00-18:00